Kurzporträts von Djukanovic und Bulatovic

Premier Montenegros führt "Souveränisten" an Oppositionschef an der Spitze der "Unionisten"

Das Lager der "Souveränisten" führt der montenegrinische Regierungschef Milo Djukanovic an. An der Spitze des Lagers der "Unionisten" steht der Oppositionschef Predrag Bulatovic. Im Folgenden Kurzporträts der beiden Politiker:

Milo DJUKANOVIC wurde 1962 in Niksic geboren. Er wollte sich ursprünglich im Fremdenverkehr, dem wichtigsten Wirtschaftszweig des kleinen Landes, betätigen. Mit gerade 17 Jahren entdeckte der Sohn eines Richters seine Freude an der Politik. Ende der achtziger Jahre wurde Djukanovic zum jüngsten Mitglied der (letzten) kommunistischen Führung Jugoslawiens.

Gemeinsam mit dem derzeitigen Staatschef des Staatenbundes, Svetozar Marovic, war Djukanovic einer der jungen montenegrinischen kommunistischen Leader, die auf der Welle des serbischen Nationalismus im Jahr 1989 die Macht in Montenegro ergriffen. An seinem 29. Geburtstag wurde der hochwüchsige (Schuhgröße 48) Djukanovic zum damals jüngsten Regierungschefs Europas bestellt. Schon zu Beginn seiner politischen Karriere erhielt er wegen seiner energischen Auftritte unter den Landsleuten den Spitznamen "Britva" (Rasiermesser). Zusammen mit dem montenegrinischen Präsidenten Momir Bulatovic galt er in den darauf folgenden Jahren als einer der treuesten Bündnispartner des serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic.

Die endgültige Trennung vom serbischen Staatschef erfolgte im Frühjahr 1997. Djukanovic wurde im Oktober desselben Jahres zum montenegrinischen Präsidenten gewählt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt wandte er sich der Wiedererrichtung der montenegrinischen Eigenstaatlichkeit zu. In den späten neunziger Jahren vermochte Djukanovic die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Belgrad zu gewinnen - auch mit Hilfe von Zigarettenschmuggelgeschäften, die in Podgorica als legale Zigaretten-Wiederexporte betrachtet wurden. Seit vier Jahren bekleidet Djukanovic erneut den Posten des Regierungschefs.

Ein Ende der politischen Laufbahn Djukanovics scheint nicht in Sicht. Zwar stellte er seinen Rücktritt in Aussicht, sollten beim Referendum weniger als 50 Prozent für die Unabhängigkeit stimmen, doch dies ist nach allen Umfragen kein wahrscheinliches Szenario.

Predrag BULATOVIC wurde 1956 in Kolasin, im Norden von Montenegro geboren. Er schloss sich in den späten achtziger Jahren der jungen kommunistischen Führung in Montenegro an. Nach ihrer Umbildung in die Demokratische Partei der Sozialisten (DPS) zeichnete der Maschinenbauingenieur als Führungsmitglied jahrelang für ihre siegreichen Wahlstrategien verantwortlich.

Die Spaltung der Partei erfolgte im Sommer 1997. Bulatovic wurde zum Spitzenpolitiker der Milosevic-treuen Sozialistischen Volkspartei (SNP), die zunächst noch von seinem engen Verwandten, Momir Bulatovic, geleitet wurde. Wichtige Posten in Belgrad hatte der "Verwandte" allerdings immer vermieden. Nach der politischen Wende in Serbien im Oktober 2000 vermochte Bulatovic Kontakte zu den neuen demokratischen Behörden zu knüpfen, wenngleich sie nicht immer reibungslos waren.

Zu seinen Partnern in Belgrad zählt er heute sowohl den serbischen Regierungschef Vojislav Kostunica als auch Präsident Boris Tadic. Doch zu Hause in Montenegro war es Bulatovic in den vergangenen neun Jahren nie gelungen, eine siegreiche Wahlstrategie auszuklügeln und Djukanovic eine Niederlage beizufügen.

(apa)