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Kurze Geschichte der Psychiatrie

Bizarre, teils quälende Behandlungen: Von Zwangsjacken und Vibratoren

Mann in Zwangsjacke © Bild: Corbis

Der Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober macht auf psychische Leiden aufmerksam. Sie können heute oft gut behandelt werden. Früher aber hatten Patienten unter bizarren, teils quälenden Behandlungen zu leiden.

Antike: Aderlässe für Depressive

Die antiken Ärzte Hippokrates und Galen gingen davon aus, dass ein Ungleichgewicht der Körpersäfte auch seelisch krank mache. Depressive litten an einem Übermaß an schwarzer Galle - auf griechisch "melancholia". Ihr Therapievorschlag: Bäder und Aderlässe.

Aderlass
© Corbis

Mittelalter: Priester statt Ärzte

Im Mittelalter sprach man weniger von Krankheit denn von Wahnsinn. Als besessen galt etwa, wer an Epilepsie litt. Zum therapeutischen Rüstzeug gehörten vor allem Teufelsaustreibungen. Zuständig war folglich der Priester, nicht der Arzt.

Vibrator gegen weibliche "Hysterie"

Durch die Jahrhunderte hindurch war der Beruf des Mediziners männlich dominiert - und mit ihm das Bild von Krankheiten. Seit der Antike glaubte man, die sogenannte Hysterie bei Frauen behandeln zu können, indem man das weibliche Genital stimuliert. Ärzte brachten ihre Patientinnen mitunter selbst mit der Hand zum Orgasmus - bis 1883 ein britischer Mediziner den elektrischen Vibrator erfand.

Valium gegen Zwangsjacke

Zum Symbol einer menschenunwürdigen Psychiatrie im 19. Jahrhundert wurde die Zwangsjacke. Sie sollte ihren Träger vor sich selbst schützen und ihn beruhigen. Medikamente wie Diazepam, bekannter unter dem Namen Valium, lösten die Zwangsjacke als Therapieform ab.

Frau in Zwangsjacke
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Grausame Lobotomie

Ein weit grausameres Mittel gegen Schizophrenie und andere Störungen ersann ein portugiesischer Neurologe in den 1930er Jahren: die Lobotomie. Dabei durchtrennt ein Chirurg die Nerven zwischen dem Stirnlappen und dem Zwischenhirn. Denen, denen es half, standen Tausende gegenüber, deren Persönlichkeit irreparabel zerstört wurde. Viele blieben in ihrer geistigen Entwicklung zurück, antriebs- oder gefühllos.

Seit den 1950ern: Antidepressiva

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts erkannten Forscher den Zusammenhang von Botenstoffen im Hirn und psychischen Krankheiten. Ende der 1950er kamen dann die ersten Antidepressiva auf den Markt. Seither sind Psychopharmaka und Psychotherapie die Mittel der Wahl.

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