Kurz in Israel von /

Popstar,
Kanzler mit Instinkt

Kurz in Israel - Popstar,
Kanzler mit Instinkt © Bild: Matt Observe

Gegen Antisemitismus weltweit kämpfen und Israel als Staat unterstützen, sind zwei wichtige Haltungen

Jetzt war der Kanzler also in Israel. Und bekam Lorbeeren von allen Seiten. Auch die israelischen Zeitungen wissen seine Politik zu schätzen. Was er da im Fall Israel zustande brachte, ist auch allerhand. Der erste europäische Regierungschef, der die zum Teil besetzten und historischen Stätten wie die Klagemauer zur Gänze besichtigte, schrieb die "Jerusalem Post". Begeisterung und Hoffnung überwiegen, dass Kurz auch während der Ratspräsidentschaft israelische Interessen in den EU-Verbund einbringen wird.

Zum einen als Unterstützung für den Staat Israel, der in einer unruhigen und gefährlichen Zeit Unterstützung aus der EU braucht. Zum anderen, weil Kurz von der Bekämpfung des Antisemitismus in der EU und der ganzen Welt sprach. Sieht man ihn im Kreis von österreichischen Holocaustüberlebenden im Club Jerusalem und seine feuchten Augen, gibt es keine Zweifel an seiner Überzeugung.

Es ist richtig und wichtig, dass Kurz diesen Weg beschreitet. Er drückt nicht nur der österreichischen, sondern der europäischen Politik seinen Stempel auf. Gut so. Kein österreichischer Bundeskanzler vor ihm hat so klare Worte gefunden, wenn es um den Staat Israel und seine Existenz geht, anerkennt auch die "Jerusalem Post". Darüber kann man sich auch nur wundern. Man mag Kurz publikumswirksame Inszenierung seiner Reise vorwerfen. Das hätten andere früher auch machen können, wenn sie eine klare Linie gegenüber Israel gefunden hätten. Das hat der junge Kanzler geschafft.

Nun mag man politische Manöver der Israelis kritisieren, insbesondere ihre Siedlungspolitik im Westjordanland, aber dass dieser Staat wie ein dünnes, zartes Blatt umgeben von riesigen Baumstämmen zu schützen ist, sollte Konsens in Europa sein. Gleichwohl wird der Kanzler immer wieder, besonders in Israel, auf die Regierungsbeteiligung der FPÖ angesprochen.

Damit muss er leben. Das ist ein blinder Fleck auf der Kurz'schen Landkarte. Behält sein Koalitionsfreund Heinz-Christian Strache das Sagen bei der FPÖ, kann Kurz hoffen, dass sich die Partei wandelt. Wie schnell man aber jahrzehntelange Überzeugungen aus den Denkweisen von Funktionären mit antisemitischen Meinungen rauszaubern kann, bleibt abzuwarten.

Kurz hat sich nicht beirren lassen und war in Yad Vashem -der bedeutendsten Stätte des Gedenkens an die nationalsozialistische Judenvernichtung -ebenso wie am Grab von Schimon Peres. Die Hand, die der Bundeskanzler seinem Gegenüber Benjamin Netanjahu reichte, muss ausgestreckt bleiben. Schafft Kurz es auch innerhalb der Regierung, Themen wie Antisemitismus anzugehen, gelingt sein Weg.

Hüten muss er sich aber davor, den neuen Antisemitismus, der durch einen Teil der Flüchtlinge ausgelöst wurde, anzukreiden und den alten unserer rechten Recken zu vergessen. Weil Antisemitismus Antisemitismus bleibt. Egal von welcher Seite. Auch daran wird man seine Kanzlerschaft messen. Gerade weil die Regierungsbeteiligung der FPÖ vielen verpönt und die antisemitische Grundposition einiger Anhänger suspekt ist. Der Kanzler ist auf einem guten Weg. Wenn ihm sein Vizekanzler dabei folgen kann -er scheint es ehrlich zu versuchen -, wäre das Land einen großen Schritt weiter. Das wäre dann mal Lernen aus der Geschichte.

Was meinen Sie?
Schreiben Sie mir bitte: mitterstieler.esther@news.at

Kommentare

Das sagt alles ueber Israel:
"Gesegnet sei, der dich segnet, und verflucht, der dir flucht!"
4 Mose 24:9b

Seite 1 von 1