Kurt Beck: Ein Maurersohn führt
die deutschen Sozialdemokraten

Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz gewählt

Von seinem Werdegang her ist Kurt Beck die Idealversion eines führenden SPD-Politikers: Der Sohn eines Maurers lernte den Beruf des Elektromechanikers, wurde Personalrat, Gewerkschaftsmitglied und gelangte über die Gewerkschaftsarbeit in die Politik. Am Sonntag kam der 57-Jährige ganz oben an: Auf dem Sonderparteitag in Berlin wählten ihn die Genossen mit 95 Prozent der Stimmen als Nachfolger von Matthias Platzeck zum neuen Parteivorsitzenden.

Der neue SPD-Chef gehört keinem der parteipolitischen Flügeln an. Er ist einerseits ein traditioneller Sozialdemokrat, der auch die Nähe zu den Gewerkschaften sucht. Beck hat sich aber auch immer voll hinter den Reformkurs des damaligen SPD-Bundeskanzlers Gerhard Schröder gestellt. Um Spitzenämter hat er sich nie gerissen. Vor einem halben Jahr noch ließ er Matthias Platzeck den Vortritt, als es um die Wahl des neuen SPD-Chefs ging.

Seit 1972 SPD-Mitglied, kam Beck 1979 in den Landtag, wo er sich zunächst als Sozialpolitiker profilierte. Mit der Regierungsübernahme durch die sozialliberale Koalition in Mainz stieg er zum Fraktionschef auf.

Als Ministerpräsident Rudolf Scharping in die Bundespolitik wechselte, wurde der bullige Südpfälzer 1994 sein Nachfolger und mauserte sich über die Jahre zu einem sehr populären Regierungschef, der im einstigen CDU-Stammland Rheinland-Pfalz die Christdemokraten in die Knie zwang. Im November 2003 betrat Beck schließlich als stellvertretender SPD-Vorsitzender die bundespolitische Bühne.

Was Beck beim Wahlvolk so beliebt macht, ist seine Bodenständigkeit und Volksnähe: Er hält regelmäßig Bürgersprechstunden ab, ist beim Fußball auf dem Betzenberg in Kaiserslautern ebenso anzutreffen wie auf diversen Fastnachtsveranstaltungen, und er residiert nicht in einer Dienstvilla, sondern wohnt in der winzigen Wohnung eines Mainzer Mietshauses. Bei den Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz folgte im März der Beweis für seine Popularität: Nach 15 Jahren rot-gelber Koalition erzielte die SPD mit 45,6 Prozent ihr bestes Ergebnis bei Landtagswahlen und schaffte die absolute Mehrheit.

Konsequent tritt der Mann mit dem Dreitagesbart für zwei Bevölkerungsgruppen ein, die die Kernklientel der SPD bilden: Die sozial Benachteiligten und Menschen, die harte Arbeit verrichten müssen. Das Mitempfinden mit ihnen lasse er sich nicht nehmen, so lange er in der Politik sei, sagt Beck. Zu spüren war dies, als er bei der Rente mit 67 differenzierte Lösungen für Dachdecker oder Schichtarbeiter forderte. "Für das Funktionieren unseres Alltagslebens ist die Putzfrau genau so wichtig wie der Generaldirektor oder der Chefarzt", lautet seine feste Überzeugung.

An den Wochenenden kehrte der mit einer Friseuse verheiratete Vater eines erwachsenen Sohnes bisher in sein Dorfhaus im südpfälzischen Steinfeld zurück. Das wird sich nun ändern, denn Beck hat angekündigt, als SPD-Vorsitzender künftig die Wochenenden in Berlin verbringen zu wollen.

(apa)