"Kurswechsel notwendig": AK-Präsident
Tumpel bekräftigt EU-kritische Haltung

"60.000 Vollzeit-Jobs sind verloren gegangen" Erweiterung: Übergangsfristen voll ausschöpfen

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel hat in einem TV-Interview seine EU-kritische Haltung bekräftigt: "Ein Kurswechsel ist notwendig." Hinsichtlich der Erweiterung plädierte Tumpel für eine "ganz, ganz vorsichtige" Politik. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit in Österreich warnte Tumpel, dass nächstes Jahr nicht mehr genügend Mittel zur Verfügung stünden.

Die Mittel aus dem europäischen Sozialfonds stünden 2007 nicht mehr zur Verfügung, auch Anschlussgelder seien "nicht da". Der Darstellung, es gebe einen "Beschäftigungsrekord", trat Tumpel in der ORF-"Pressestunden" entgegen: Dies gelte nur, wenn man "die Köpfe zählt". Tatsächlich seien 60.000 Vollzeitjobs verloren gegangen, "die Ausweitung geht ausschließlich auf die Zunahme von Teilzeitbeschäftigung zurück".

Das Kombilohn-Modell lehnt Tumpel für eine "breitflächige Anwendung" ab, denn dann "läuft es einzig darauf hinaus, dass Firmen subventioniert werden". Außerdem plädierte Tumpel für einen "Lastenausgleich" zwischen Lehrlinge ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben.

In der EU ortete Tumpel viele Defizite. "Wir sind mit einem Europa konfrontiert, das fast ausschließlich die Interessen der Großunternehmen wahrnimmt." Die EU-Osterweiterung sei "zu rasch gegangen". Der AK-Präsident pochte darauf, die bei der Osterweiterung vereinbarten Übergangsfristen für den Arbeitsmarkt voll in Anspruch zu nehmen.

Kritik an den Aussagen Tumpels kam vom ÖVP-Wirtschafsbund, dem ÖVP -Arbeitnehmerbund ÖAAB, dem BZÖ und der FPÖ. Die ÖVP-Bünde kritisierten seine EU-Haltung, BZÖ und FPÖ warfen Tumpel vor, nicht die Interessen der Arbeitnehmer zu vertreten.(apa/red)