Die verrücktesten Nationalsportarten

Sepak Takraw, Buzkashi und Baumstammwerfen - das "Skifahren" der anderen Länder

von Sepak Takraw in Doha © Bild: Adam Pretty/Getty Images

Thailand/Malaysia - Sepak Takraw

Fußball-Tennis trifft asiatische Kampfkunst. So lässt sich das in Südostasien weit verbreitete Sepak Takraw (Übersetzung in etwa: Ball schießen) am schnellsten erklären. Mit Wurzeln bis ins 15. Jahrhundert nach Christus kann sich dieses Rückschlagspiel, bei dem je drei Spieler eines Teams einen geflochtenen Ball im Feld des Gegners zu Fall bringen müssen, einer langen Tradition erfreuen.

Sepak Takraw
© imago/Xinhua Füße hoch, oder ich schieße!

Nicht geeignet für: Sportler, die aufs Dehnen pfeifen und daher über eine verkürzte Muskulatur verfügen.

Baskenland - Pelota Vasca

Im Kampf um die Anerkennung als Nation kommt dem mit Squash verwandten Rückschlagspiel, bei dem zwei Spieler bzw. zwei Teams den Ball abwechselnd gegen die Wand dreschen, eine besondere Bedeutung zu. Hauptsächlich in der Variante "Pelota a Mano" mit der bloßen Hand gespielt, gelten die Pelotari als besonders stark, hart und widerstandsfähig - Eigenschaften, mit denen sich auch das baskische Volk in einer mythischen Überhöhung rühmt.

Nicht geeignet für: Sportler, deren Gegenüber sich beim Händeschütteln über die zarte Haut freut.

Schottland - Baumstammwerfen

In heimischen Regionen wird ein Baumstamm verziert, am 1. Mai erklommen und hin und wieder gestohlen - in Schottland wird er schlicht geworfen. Fünf bis sechs Meter lang und bis zu 60 Kilogramm schwer muss das "Holzstück" dabei eine 180-Grad-Drehung-Drehung vollziehen und in möglichst gerader Linie wieder zu Fall kommen. Ansonsten gibt es Punkteabzüge.

Baumstammwerfen
© Andy Buchanan/AFP/Getty Images Stöckchen-Werfen "extreme"

Nicht geeignet für: Sportler, die an Highland Games teilnehmen wollen, nur um auch einmal einen Rock zu tragen.

Kirgisistan/Afghanistan - Buzkashi

Der Name dieses auf der Tradition der reitenden Turk- und Mongolenvölkern beruhenden Sportart heißt übersetzt soviel wie "Ziege schnappen" und damit sind die Regeln eigentlich schon erklärt. Zahlreiche Reiter (einige Quellen sprechen von Bewerben mit über 1.000 Teilnehmern) versuchen, eine tote, meist kopflose Ziege - alternativ wird auch ein Kalb benutzt - aufzunehmen und auf einer markierten Fläche vor einem Preisrichter wieder abzulegen. Jeder kämpft gegen jeden. Unter Einsatz von Reiterpeitsche kann ein Bewerb so schon mitunter einige Tage dauern.

Buzkashi
© VYACHESLAV OSELEDKO/AFP/Getty Images Grausame Tradition? Buzkashi

Nicht geeignet für: Tierliebhaber und Peta-Aktivisten.

Irland - Hurling

Nein, werte Freunde des im Winter populären Curlings, hier hat sich kein Fehlerteufel eingeschlichen. Hier geht es um eine der schnellsten Mannschaftssportarten der Welt - also der krasse Gegensatz zu Curling. Am ehesten lässt sich Hurling, das als Demonstrationssport 1904 sogar auf eine olympische Vergangenheit zurückblicken kann, mit Rasenhockey vergleichen. 15 Spieler stehen sich gegenüber und versuchen, einen Ball über die Torlinie zu befördern. Und das seit dem Zeitalter der Kelten.

Nicht geeignet für: All jene Sportler, die schon mit vier Mit- und fünf Gegenspielern oder der Geschwindigkeit von Curling überfordert sind.

Kolumbien - Tejo

Im Jahr 2000 ernannte der kolumbianische Kongress die moderne Version eines südamierkanischen Indianerspiels zum Nationalsport. Tejo, oder auch Turmequé genannt, wird mit einem ca. 680 Gramm schweren Diskus gespielt, den es in einen knapp 18 Meter entfernten Kreis zu werfen gilt. Dabei ist nicht nur der Kreismittelpunkt das Ziel sondern in erster Linie die mit Schwarzpulver gefüllten Papiertaschen. Und da diese bei einem Treffer laut knallen, macht es diese Variante des Boule-Spiels umso interessanter.

Tejo
© GUILLERMO LEGARIA/AFP/Getty Images Es muss richtig krachen

Nicht geeignet für: Schreckhafte Spieler.

Bangladesh - Kabaddi

Welchen Sport betreiben eigentlich Kinder, die immer schon gut im Abfangen waren? Kabaddi vielleicht. Bei diesem Jahrtausende alten Mannschaftsringen wird ein "Raider" ausgeschickt, der Spieler des gegnerischen Verbundes abklatschen und dann zurück in die eigenen Reihen huschen muss. Besonderes Regel-Detail: Für die Dauer seines Ausfluges muss die Luft angehalten und dabei ständig das Wort "Kabaddi" gesungen werden. Die Verteidiger, "Stopper" genannt, versuchen ihrerseits den Läufer festzuhalten. Wer das für verrückt hält, soll wissen, dass sich Buddha selbst einst darin erprobte.

Nicht geeignet für: All diejenigen, die bei Atemlosigkeit und Gesang sofort den Helene-Fischer-Hit summen.

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