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Kurdische Miliz: Syrische IS-Hochburg Raqqa unmittelbar vor dem Fall

Beobachter: Letzte Kämpfer der Jihadistengruppe werden aus der Stadt gebracht

Die einstige IS-Hochburg Raqqa in Syrien steht nach Angaben der syrischen Kurden-Miliz YPG unmittelbar vor der vollständigen Eroberung. "Heute oder morgen könnte die Stadt befreit sein", sagte ein YPG-Sprecher am Samstag. Das von den USA geführte Bündnis gegen die Jihadisten-Miliz "Islamischer Staat" (IS) teilte mit, in den vergangenen 24 Stunden hätten sich etwa 100 IS-Kämpfer ergeben.

Dennoch seien in den kommenden Tagen noch weitere Kämpfe zu erwarten. Raqqa war die faktische Hauptstadt des IS. Nach der Befreiung der irakischen Stadt Mosul (Mossul) gilt die endgültige Vertreibung der Extremisten aus Raqqa als Meilenstein im Kampf gegen die Islamisten.

Der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte zufolge vereinbarte die Anti-IS-Koalition und die von der YPG dominierte Milizenallianz Syrische Demokratische Kräfte (SDF) mit den Extremisten, die letzten verbliebenen IS-Kämpfer in Bussen aus Raqqa zu bringen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete am Samstag, für den Abzug der ausländischen IS-Kämpfer aus der Stadt würden derzeit die Vorkehrungen getroffen.

Eine Aktivistengruppe teilte mit, in der Nacht seien Dutzende Busse dort angekommen. Ein Sprecher der US-geführten Koalition sagte, etwa 1500 Zivilisten seien in der vergangenen Woche in Sicherheit gebracht worden.

Die SDF-Allianz aus kurdischen und arabischen Milizen hatte ihre Offensive auf Raqqa im Juni gestartet. Von den USA wurden sie dabei mit Luftangriffen unterstützt. Dennoch zog sich die Rückeroberung deutlich länger hin als zunächst erwartet. Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International zufolge starben auch Hunderte Zivilisten bei Kämpfen, Luftangriffen oder durch den IS ausgelegte Sprengsätze. Tausende in der Stadt eingeschlossene Bewohner litten zudem über Monate unter der fehlenden Versorgung mit Wasser, Lebensmitteln und Medikamenten.

Ein örtlicher Beamter sagte, IS-Kämpfer hätten sich dem kurdisch-arabischen Militärbündnis der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) ergeben, eine Zahl nannte er nicht. Das Bündnis wird von der US-geführten Anti-IS-Koalition unterstützt und versucht seit Wochen, die Stadt vollständig zurück zu erobern.

Der Kampf gegen den IS konzentriert sich in Syrien mittlerweile auf die letzten Rückzugsorte der Extremisten in der östlichen Provinz Deir ez-Zor (Deir al-Zor). In der Grenzregion zum Irak gehen in getrennt laufenden Offensiven sowohl die kurdischen und arabischen Milizen als auch syrische Regierungstruppen unterstützt durch die russische Luftwaffe gegen die Extremisten vor. Parallel läuft auf der anderen Seite der Grenze ein Vorstoß der irakischen Streitkräfte gegen den IS. Ziel ist es auch, im Tal des Euphrats die Extremisten aus den letzten verbliebenen Städten zu vertreiben.

Die IS-Kämpfer hatten Raqqa im Jänner 2014 unter ihre Kontrolle gebracht und später zur inoffiziellen Hauptstadt ihres selbst ernannten "Kalifats" in Syrien gemacht. Seit vergangenem Jahr ist die sunnitische Extremistengruppe jedoch in der Defensive und hat den Großteil der Städte und Gebiete unter ihrer Kontrolle verloren.

Kommentare

Peter Lüdin

Vielleicht kommen die nächsten Flüchtlinge wieder vermehrt aus dem Irak nach Europa. Zurzeit sieht es nämlich so aus, als wenn die Lage zwischen Bagdad und Erbil eskaliert.

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