Kunst überlebt die Krise: Francesca Habsburg analysiert den Kunstmarkt-Crash

Kunstmäzenin im NEWS-Gespräch über Auswege

Kunst überlebt die Krise: Francesca Habsburg analysiert den Kunstmarkt-Crash © Bild: NEWS/Vukovits

Die Panik nach dem Börsencrash hat den Kunstmarkt erfasst. Größte Namen und scheinbar sichere Aktien wanken. Hiobsbotschaften von den Herbstauktionen in New York und London: Francis Bacon – unanbringlich. Manet, Cezanne und Rothko – unanbringlich oder nur unter Preis absetzbar. Wer Kunst bloß als Investment sah, bangt nun um die Rendite. Mit der Finanzblase ist auch die Kunstblase geplatzt. NEWS traf Kunstmäzenin Francesca Habsburg zum Gespräch, um sie über die Situation und mögliche Auswege zu befragen.

NEWS: In den aktuellen Auktionen blieben größte Namen unter den Erwartungen. Was ist passiert? Und war diese Entwicklung zu erwarten?

Habsburg: Die wirklich teuren Stücke verkaufen sich im Moment nicht. Jene Menschen, die die Preise hochgefahren haben, waren in erster Linie Russen, Hedgefonds-Manager oder Geldmanager. Sie haben mit enormen Vermögen gearbeitet, die aber offensichtlich nie wirklich vorhanden waren. Nun fehlen 700 Milliarden hier, 420 dort. Wo ist dieses Geld eigentlich? Da wurde mit Geld gespielt, das gar nicht wirklich verdient war. Man muss also noch einen Schritt hinter die Kunst zurückgehen: Wer hat dieses Geld gemacht, und war es überhaupt wirklich da?

NEWS: Für Ihre Ausstellung "A Question Of Evidence" (ab 20. 11., Himmelpfortgasse 13) haben Sie Künstler aus Tibet und Burma beauftragt und starke politische Werke bekommen. Sind solche Aufträge Ihr Weg, den krachenden Kunstmarkt zu umgehen?

Habsburg: Ja, diese Bedeutung kann die Kunst haben und hat sie für mich. In diesem Fall geht es um Menschenrechtsthemen, wobei ich mich aber vom traditionellen Aktivismus fernhalten wollte. Wir wollten untersuchen, was schieflaufen und falsch verstanden werden kann. So haben wir etwa die Tibetfrage vom Standpunkt der Tibeter, der Chinesen und des Dalai Lama beleuchtet. Denn die Menschen werden heute mit Nachrichten und Sensationsjournalismus überfüttert, ziehen sich in ihre eigene Welt zurück. Eine aufgeklärte Weltsicht entwickelt man doch nur, wenn man das Gefühl hat, objektiv informiert zu sein. Und selbst Beweise können überraschend unterschiedlich interpretiert werden: durch Diktaturen, Aktivisten oder Reiseveranstalter.

NEWS: Geben Sie Thema und Richtung vor, wenn Sie Künstler beauftragen?

Habsburg: Das ist eine vitale Frage und etwas, das man lernen muss. Es ist ein bisschen wie Elternschaft. Für die gibt es auch kein Handbuch, wie es funktioniert. Wir sind als Auftraggeber ziemlich erfolgreich, weil wir den kreativen Prozess verstehen. Man muss den Künstler seine Idee entwickeln lassen, ihn dann aber herausfordern, noch einen riskanten Sprung weiter zu machen. Künstler wissen, dass sie bei uns diese Chance bekommen. Oft ist es so, dass sich die Künstler wie auch Auftraggeber und Museen vor dem Risiko fürchten.

Das komplette Interview mit Francesca Habsburg über den Crash am Kunstmarkt lesen Sie im aktuellen NEWS 47/08!