Kultur von

Worum es wirklich gehen sollte

Heinz Sichrovsky über Google und tägliche Turnstunden

Zwei Meldungen haben mich in diesen Tagen echauffiert. 1.: Die Ehefrau des früheren deutschen Bundespräsidenten Wulff schreitet gerichtlich gegen die Suchmaschine Google ein, weil sie nicht länger in Internet-Foren als ehemalige Prostituierte desavouiert werden will. Ich wünsche Frau Wulff von Herzen Erfolg und Google eine Strafe amerikanischen, also Furcht einflößenden, Ausmaßes.

Mit all seinen unermesslichen Vorzügen ist das Internet zur Kloake geworden. Existenzen werden übler Nachrede ausgeliefert, Kinder in den Selbstmord getrieben. Drakonische Maßnahmen sind hier angezeigt, und sie schränken das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung so wenig ein wie die Inhaftierung eines Kriminellen dem Grundrecht auf Bewegungsfreiheit Gewalt antut. 2.: Sportorganisationen fordern im Gefolge jüngst erlittener Londoner Blamabilitäten die Installierung einer täglichen Turnstunde. Ich bin eher für eine tägliche Musik-, Literatur-, Philosophie- oder Zeichenstunde. Sonst latschen wir nämlich demnächst mit der fußmaroden Grazie eines österreichischen Olympiateilnehmers durch die Zivilisation. Und, um auch dem leidigen wirtschaftlichen Aspekt zu genügen: Dem Vernehmen nach kommen nur wenige Touristen, um unsere Beachvolleyballer zu besichtigen. Aber sehr viele in die Oper.

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