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Ein Virtuose des Machtspiels

Heinz Sichrovsky über den Taktiker Alexander Pereira

Kultur - Ein Virtuose des Machtspiels © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Dass Alexander Pereira (meinem Wissensstand zufolge) nicht an der Börse spekuliert, ist zumindest aus der Sicht des interessierten Publikums zu bedauern: Der retirierte Intendant der Salzburger Festspiele wäre abwechselnd Milliardär und Insasse internationaler Strafanstalten.

Salzburg verließ er im Konflikt mit der Lokalpolitik, um sich an der Mailänder Scala zu verdingen, nicht ohne die Lega-Nord- Bonzenschaft emphatisch für ihren Weltblick zu loben. Dann geriet er in den Sog einer Intrige, worauf sein Vertrag strafhalber von sechs Jahren auf 15 Monate guillotiniert wurde. Pereira verheimlichte nie, dass er Begnadigung mittels unwiderstehlicher Amtsgebarung zu erzwingen gedenke. Er leitete Sponsormillionen von Salzburg ins bankrotte Italien um und avisierte für die Mailänder Weltausstellung ein beispielloses Programm mit gewaltiger Gewinnausschüttung. Die Expo wird am 1. Mai eröffnet, und Pereira hat zu diesem Termin eine spektakuläre „Turandot“ disponiert. Am 1. Mai aber wird in Italien nicht gearbeitet, woran die Marginalie einer Weltausstellung nichts zu ändern vermag. Deshalb will die Gewerkschaft einen Streik ausrufen. Die war ohnehin immer gegen Pereira. Aber der hat jetzt die Spitzen der Politik auf seiner Seite und blickt vermutlich vielen anregenden Amtsjahren mit der fundamental opponierenden Belegschaft entgegen.

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