Kultur von

Die Geisterstunde der Knallköpfe

Heinz Sichrovsky über zwei Bücher zum Bildungsdebakel

Kultur - Die Geisterstunde der Knallköpfe © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Viel wurde von und in diesem Ressort zuletzt über das österreichische Bildungssystem und seine Degeneration geschrieben. Auf den nächsten Seiten skizzieren die Musiker Nikolaus Harnoncourt und Lang Lang eine von Kunst – also: von Fantasie, Sensibilität und autonomem Denken – befreite Zukunft.

Lassen Sie mich Ihnen zwei das Thema exzellent erweiternde Bücher empfehlen. Der Philosoph Konrad Paul Liessmann beschwört die „Geisterstunde“ einer Gesellschaft im Kompetenzwahn, die ein Kunstwerk nicht mehr als Wert für sich begreifen kann. Menetekelhaft steht dafür die Zentralmatura, die einen Text Kafkas karikaturhaft mit einem Zeitungsartikel über kriminelle Anbieter von Maturareisen kombiniert, Weltliteratur also mit ihrem Nutzwert für die Touristikbranche legitimieren zu müssen meint. Das zweite Buch ist ein Comic, den der bedeutende Genetiker Markus Hengstschläger mit dem Kinderbuchautor Thomas Brezina gefertigt hat. „Warum nur Knallköpfe die Welt vor Killer-Klobrillen retten können“ ist die satirisch-kindgerechte Fassung von Hengstschlägers großartigem Traktat „Die Durchschnittsfalle“. Die Massenaufzucht von Funktionierenden, so die These, erstickt das Außerordentliche, noch ehe es sich im Kind zu artikulieren vermag. Ich werde die Killerklobrillen bekämpfen, solange ich es vermag. Sind Sie dabei?

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