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Die Politik soll sich nicht drücken

Heinz Sichrovsky über Konzerthaus und Burgtheater in Not

Heinz Sichrovsky © Bild: NEWS/Stögmüller Katharina

Im Wochenabstand generierte dieses Ressort zwei Debatten, die beide demselben Problem geschuldet sind: Die Politik, die sich in Ermangelung anderer Attraktionen gern mit dem nationalen Ausnahmestatus in Kunstbelangen brüstet, verweigert der Kunst die adäquate Finanzierung. Im Burgtheater wurde die Vizedirektorin entlassen, weil sie, nach eineinhalb Jahrzehnten ohne Teuerungsabgeltung, den Spielbetrieb mittels Verzweiflungsbuchhaltung retten wollte.

Das Konzerthaus wiederum ist wegen alter Umbaukosten mit sechs Millionen verschuldet. Um die Neubesetzung des Präsidiums, das den Bankrott verhindern muss, tobt ein Konflikt in der Aufsichtsbehörde. Notenbankpräsident Raidl sollte mit knapper Mehrheit in das Amt befördert werden, Hauptsponsor und Industriellen-Präsident Kapsch fühlte sich vor vollendete Tatsachen gestellt. Er verließ das Gremium, stellt aber in einem NEWS-Telefonat fest, nicht gegen Raidl eingestellt zu sein, sondern bei der Ernennung bloß breiten Konsens zu wünschen. Wenn „Transparenz und Einigkeit" hergestellt würden, stehe auch sein Sponsorbeitrag nicht zur Debatte. „Ich liebe das Haus und lasse den hervorragenden Intendanten Naske nicht im Regen stehen", fügt er gegenüber NEWS hinzu. So ist das, über alle Konflikte hinweg: Leidenschaftlich kunstaffine Private beschämen die Politik.

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