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Noever, Matt und die anderen

Heinz Sichrovsky zum Abhandenkommen der Sonnenkönige

Kultur - Noever, Matt und die anderen © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Woran es liegt, dass es für so viele Sonnenkönige Nacht geworden ist, bedarf noch der Analyse. Wahrscheinlich ist der Neidreflex in Krisenzeiten leichter auszulösen. Jedenfalls gab es noch vor kurzem Rudolf Leopold im MuseumsQuartier, Seipel im Kunsthistorischen Museum, Holender in der Staatsoper, Noever im MAK.

Alle leisteten für ihre Institute Herausragendes, alle pflogen ein absolutistisches Amtsverständnis und trugen stolz das Signum des öffentlichen Ungustls. Nun, Leopold ist tot. Doch Holender wurde in Ehren, Seipel in Halbehren in den Ruhestand verabschiedet, Noever in Unehren entlassen. Und die einschlägige Restpopulation hat es schwer. „Ich warte täglich auf den Mörder“, sagt Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder in dieser NEWS-Ausgabe.

Kein Wunder: Selbst ein Phantompotentat wie Gerald Matt, der in der unbesuchten Kunsthalle als wandelnder Maßanzug das Märchen vom Kaiser und den neuen Kleidern umkehrt, wird verprügelt wie ein richtiger Direktor. Um Spesen und Nebenbeschäftigungen scheint es bei Noever und Matt längst nicht mehr zu gehen. Eher darum, alles tatsächlich oder vorgeblich Herausragende zu amputieren.