Kultur von

Literatur wird wieder ein Wert

Heinz Sichrovsky über gute Nachrichten zum Unterricht

Kultur - Literatur wird wieder ein Wert © Bild: NEWS/Herrgott Ricardo

Bis zur Stunde dürfte die Unterrichtsministerin nicht begriffen haben, was all die Leute von ihr wollten. Alles wäre doch in Ordnung mit dem Literaturunterricht, klagte Gabriele Heinisch-Hosek kürzlich. Nur die Debatte wolle einfach nicht verstummen.

In Wahrheit führte unsere Titelgeschichte vom vergangenen September zum Diskurs über die Grundlagen der Bildung an sich: Die ausgewiesen kretinöse Praxis der Zentralmatura setzt die Literatur als Wert außer Kraft. Shakespeare, Tolstoi und Handke werden zu Produzenten von „Textsorten“ erniedrigt, augenhoch mit den Verfassern von Gebrauchsanweisungen und Leserbriefen und entsprechend zu exekutieren.

Aber warum erst 2018?

Nun gab in der Vorwoche das staatliche Bildungsinstitut, bei dem das Debakel ressortiert, kleinlaut den Willen zur Gegenreform bekannt: Zur Deutschmatura sollen wieder genuine Literaturfragen gestellt werden. Kafka muss dann nicht länger – wie im konkreten Fall – seine Verwendbarkeit für die Organisation von Maturareisen nachweisen. Allerdings könne die Behörde aus organisatorischen Gründen frühestens 2018 reagieren.

Da danke ich – weniger der Ministerin als allen, die den Diskurs nicht verstummen ließen –, stelle aber doch die Unangebrachtheit dieser Art Gelassenheit fest: Wie kommen die Maturajahrgänge bis 2017 dazu, ihre Interessen dem bürokratisch-dilettantischen Trägheitsmoment zu opfern?

Kommentare