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Handwerk bleibt das Wichtigste

Heinz Sichrovsky über einen Streit am Reinhardt Seminar

Kultur - Handwerk bleibt das Wichtigste © Bild: NEWS/ Ricardo Hergott

Ein ungeeigneter Kandidat und eine gesichtslose Kandidatin prügeln sich um eine Regieprofessur am Reinhardt Seminar. Der Schweizer Stefan Bachmann ist einer jener Dekons­truktionskasper, die seit zwei Jahrzehnten das deutschsprachige Theater diktieren. Die Trendkarawane wälzt sich schon in die Gegenrichtung, da ist die Unzukömmlichkeit, zwischen Kölner Intendantenpflichten und Gastengagements auch noch dann und wann beim pragmatisierten Wiener Ordinariat vorbeischauen zu müssen, angewandte Pensionsvorsorge.

Bachmann legte vor zwei Jahren den Offenbarungseid ab, als er an der Burg „Ge­schich­ten aus dem Wiener Wald“ inszenieren sollte: Der alerte Textflächenbehämmerer versagte am Handwerk, bis ihn das Ensemble zwangsverabschiedete. Am Handwerk fehlt es der Wiener Kleinbühnen­direktorin Anna Maria Krassnigg nicht, dafür an allem, was den Bildhauer vom Grabsteinmetz unterscheidet. Das ist kein Qualitätsnachweis, aber auch nicht un­bedingt ein Fehler: Auch der epochale Dirigentenlehrer Hans Swarowsky und die singuläre Gesangspädagogin Ruthilde Boesch waren als Künstler keine ­Leuchten. Genie ist nicht erlernbar. Handwerk schon, und ohne Handwerk reicht es maxi­mal zum Bachmann. Am besten würde es somit keiner von beiden. Wenn es aber sein muss, ist Frau Krassnigg vorzuziehen.