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Künstler vs. Bürgermeister-Team

Keine Ferienbetreuung für Flüchtlingskinder in Waidhofen: Kritik von Palfrader & Co.

Kinder spielen in der "Kids Corner" am Wiener Westbahnhof am Freitag, 11. September 2015 © Bild: APA/ROLAND SCHLAGER

In Waidhofen an der Thaya sollen Kinder von Asylwerbern von der Ferienbetreuung ausgeschlossen werden. Die Ansage von FPÖ-Vizebürgermeister Gottfried Waldhäusl sorgte für Diskussionen. Nun haben sich mehrere österreichische Künstler zusammengetan, um einen offenen Brief zur Causa zu verfassen.

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"Die Plätze müssen für die Kinder der eigenen Bevölkerung reserviert bleiben", sagte Waldhäusl laut einem Bericht von "Der Standard". "Außerdem rufen Gruppen von Asylwerbern insbesondere bei Frauen und Jugendlichen ein entsprechendes Unwohlsein hervor." Seinen Standpunkt unterstützt auch sein Kollege, der ÖVP-Bürgermeister Robert Altschach. Er begründet den Ausschluss der Flüchtlingskinder damit, dass das Budget bereits ausgeschöpft wäre und Kinder von berufstätigen Eltern zu bevorzugen wären.

Kritik an dieser Vorgehensweise gab es unter anderem von Seiten der Volkshilfe. Die Ferienbetreuung wäre eine gute Möglichkeit, Deutsch zu lernen und Kontakt mit österreichischen Kindern zu haben.

Auch mehrere österreichische Künstler können die Argumentation des Bürgermeister-Teams nicht nachvollziehen und haben nun einen offenen Brief verfasst. Unter anderem machen sich die Kabarettisten Robert Palfrader und Angelika Niedetzky, der Regisseur David Schalko und der "Wir sind Kaiser"-Autor Klaus Oppitz öffentlich für die ausgeschlossenen Flüchtlingskinder stark. Zusammen mit der Volkshilfe versuchen sie nun, Druck auf die Gemeindepolitiker zu machen und bieten auch eine finanzielle Unterstützung an.

Der offene Brief zum Nachlesen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Altschach,
sehr geehrter Herr Vizebürgermeister Waldhäusl,
sehr geehrte Stadträte, sehr geehrte Gemeinderäte,

wir, die Unterzeichnenden, beziehen uns auf Artikel in der Tageszeitung “der Standard” vom 3. Juni 2016 sowie in den Bezirksblättern. Darin wird berichtet, dass in Ihrer Gemeinde Waidhofen an der Thaya 20 Kinder von Asylwerbern von einer gemeinsamen Ferienbetreuung mit einheimischen Kindern ausgeschlossen werden.
Bürgermeister Robert Altschach wird mit dem Argument zitiert, das Budget sei bereits ausgeschöpft, die Teilnahme der Flüchtlingskinder also offenbar aus den Mitteln der Gemeinde nicht leistbar.

Wir möchten diese Situation gemeinsam mit Ihnen lösen, da wir es nicht nur sehr schade sondern sogar problematisch fänden, wenn ausgerechnet Flüchtlingskindern dieses Erlebnis verwehrt wird. Diese Kinder sollen Deutsch lernen und sich in unseren Kulturkreis integrieren (beides übrigens traditionelle Forderungen sowohl von ÖVP als auch FPÖ), was bei einer gemeinsamen Ferienbetreuung definitiv stark gefördert würde.

Jeder von uns war bereits in Gemeinden, in denen Flüchtlinge aufgenommen wurden. Wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass es dort die geringsten Probleme gibt, wo persönliche Begegnungen ermöglicht werden.
Gibt es dieses Miteinander nicht, bilden sich Vorurteile, steigt die Angst. Wozu Angst und Vorurteile führen können, wurde uns vergangene Woche äußerst drastisch beim Brand des Asylheims im oberösterreichischen Altenfelden vor Augen geführt.

Altenfelden wird medial noch lange ein Synonym für Hass und Fremdenfeindlichkeit bleiben.
Für Waidhofen an der Thaya bietet sich hingegen gerade die Chance, ein positives Beispiel abzugeben und ein Vorbild zu sein. Wir bitten Sie, mitzuhelfen, das von Vizebürgermeister Waldhäusl erwähnte “Unwohlsein” gegenüber Asylwerbern abzubauen.

Wir sind gerne bereit, in Zusammenarbeit mit der Volkshilfe, die zu diesem Zweck bereits ein Spendenkonto eingerichtet hat, dafür zu sorgen, dass der fehlende Betrag zusammen kommt.
Selbstverständlich auch durch persönliche Spenden.

Die Bankverbindung:
Empfänger: Verein Volkshilfe N.Ö.
IBAN: AT 152027200000625806
Sparkasse Bank AG
Zweck : Patenschaft Betreuung Volksschul-Asylwerberkinder WAV

Wir bitten Sie, uns die benötigte Summe zu nennen und Ihre Bereitschaft zu signalisieren, den Flüchtlingskindern ihr Ferienerlebnis zu ermöglichen.

Mit freundlichen Grüßen,
POLLY ADLER, Kolumnistin
THOMAS DRASCHAN, Bildender Künstler
ANNA MÜLLER-FUNK, Researcher Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte
PETER HÖRMANSEDER, Kabarettist (Maschek)
LIVIA KLINGL, Autorin
LEO LUKAS, Kabarettist
JANINA LEBISZCZAK, Journalistin
MARIKA LICHTER, Sängerin
NADJA MALEH, Kabarettistin
ROMAN MÄHLICH, Fußballtrainer
THOMAS MAURER, Kabarettist
ROBERT MENASSE, Schriftsteller
FADI MERZA, ehem. mehrfacher Kickboxweltmeister
CORINNA MILBORN, Journalistin
ANGELIKA NIEDETZKY, Kabarettistin
KLAUS OPPITZ, Schriftsteller
ROBERT PALFRADER, Schauspieler
SUMAYA SAGHYABOUHARB, Visagistin
DAVID SCHALKO, Regisseur
FLORIAN SCHEUBA, Kabarettist
GREGOR SEBERG, Schauspieler
THOMAS SEIFERT, Journalist
LISA WEGENSTEIN, Veranstalterin This Human World (International Human Rights Festival)
JOHANNES WEGENSTEIN, Veranstalter This Human World (International Human Rights Festival)

Kommentare

Bravo den Künstlern mit Herz! Dass das Geld fehlt, ist sicher nur eine Ausrede. Was wird der Gemeinde als weiterer Verhinderungsgrund einfallen, wenn die Hilfsgelder seitens der Künstler zur Verfügung stehen?

interessant ist es aber schon, dass sie künstler ständig auf "der standard" beziehen. man sieht woher der wind weht.und klar,öffentlichkeitswirksamer geht es nicht.den bürgermeister anzurufen wäre vielleicht einfacher gewesen,aber mit weit weniger LINKEM wind verbunden.unfassbar, diese linken!

giuseppeverdi melden

Ja danke den Künstlern für Engagement. Asylanten interessieren mich nur am Rande (da meine ich in erster Linie die vielen jungen Männer, die da kommen). Aber geflüchtete Kinder und Frauen, die in ihren Ländern ohnehin benachteiligt sind, dürfen nicht zum politischen Spielball werden sondern sind zu integrieren und zu unterstützen und zwar ohne jegliche Beschränkungen!

giuseppeverdi melden

Das da oben heißt natürlich "...für IHR Engagement..." weil sonst kommt wieder ein geistig unterbelichteter Tiroler Bergbauernbub namens "Schnadahuepfl" und sagt, er könne den Sinn des Geschriebenen nicht verstehen, weil sein IQ dazu nicht groß genug ist!

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