Künftige Purpurträger: Papst beruft
neue Mitglieder ins Kardinalskollegium

Erste 15 Kardinäle im Amt von Benedikt XVI.

Papst Benedikt XVI. hat erstmals seit dem Beginn seines Pontifikats im Vorjahr neue Mitglieder in das Kardinalskollegium berufen. Von den 15 künftigen Purpurträgern, deren Namen er am Mittwoch bekannt gab, haben zwölf das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet und sind damit berechtigt, an einer Papstwahl teilzunehmen. Am 24. März werden sie in einem Konsistorium in das Kollegium aufgenommen. Das letzte Konsistorium unter Johannes Paul II. fand im Oktober 2003 statt. Damals hatte der verstorbene Papst 31 Kardinäle kreiert.

Von großer Bedeutung ist die Berufung des chinesischen Bischofs Joseph Zen Ze-kiun von Hongkong. Auf die katholische Kirche in dem Sonderverwaltungsgebiet Hongkong wird von Peking Druck ausgeübt. Zen ist in den letzten Jahren immer wieder als unerbittlicher Kritiker von Bestrebungen der Pekinger KP-Führung hervorgetreten, Hongkong "gleichzuschalten".

Von den 500.000 Christen in Hongkong sind etwa 250.000 römisch-katholischer Konfession. Der Vatikan hatte bei der Übergabe der britischen Kronkolonie an die Volksrepublik China 1997 vor Repressionen gegen die katholische Kirche gewarnt. Peking hatte die religiösen Fragen in Hongkong zur "Verwaltungsangelegenheit" des "Sonderverwaltungsgebiets" erklärt. In der Volksrepublik selbst ist nur die "patriotische" Kirche zugelassen, die ihre Bischöfe eigenständig wählt und keine Kontakte zum Vatikan unterhalten darf. Die papsttreue Untergrundkirche wird als "subversive Organisation" verfolgt. Der Vatikan ist der einzige Staat in Europa mit diplomatischen Beziehungen zu Taiwan ("Republik China").

Der Papst berief auch den langjährigen Privatsekretär seines Vorgängers Johannes Paul II., den Krakauer Erzbischof Stanislaw Dziwisz, den früheren Laibacher Erzbischof Franc Rode, jetzt Präfekt der Ordenskongregation, den Erzbischof von Seoul, Nicholas Cheong Jin Suk, und den Amerikaner Joseph Levada (als Präfekt der Glaubenskongregation Nachfolger Joseph Ratzingers) in das Kardinalskollegium. Die Zahl der Kardinäle steigt nunmehr auf 193, von denen insgesamt 112 unter 80 Jahre und damit Papstwähler sind.

(apa)