Küberl für Pflegelastenausgleichsfonds: Caritas fordert Pflege-Qualitätsvorschriften

Mindestsicherung: "Wille ist da, das Werk fehlt noch" PLUS: Kritik an Finanzierung des neuen Pflegemodells

Küberl für Pflegelastenausgleichsfonds: Caritas fordert Pflege-Qualitätsvorschriften

Einen Pflegelastenausgleichsfonds analog dem Familienlastenausgleichsfonds kann sich Caritas-Präsident Franz Küberl im Zusammenhang mit der Debatte über die Finanzierung des Pflegebereichs vorstellen. Ohne Zweifel werde es aber so sein, dass es auch Eigenbeiträge geben werde. Notwendig sind für Küberl auch Qualitätsvorschriften in Pflegewohnhäusern. Derzeit sei nur festgeschrieben, wie viele Krankenschwestern erforderlich seien. Auch müsse man sich über andere Formen der Pflege im Alter wie betreutes Wohnen und Wohngemeinschaftsformen Gedanken machen.

Generell zur Finanzierung merkte Küberl an, er hoffe, dass sich Bund und Länder einigen. In diesem Zusammenhang macht er sich aber keine Sorgen, denn "ich kenne keine Finanzfrage der letzten Jahren, wo die Bundesländer nicht gestritten hätten".

Mindestsicherung: "Wille ist da, Werk fehlt noch"
Zum Thema Soziales generell zeigte sich der Caritas-Präsident erfreut über Absichtserklärung in der Regierung zum Thema Mindestsicherung von 726 Euro und Mindestlohn von 1.000 Euro. "Der Wille ist da, das Werk fehlt noch." Er hoffe, dass die Koalition von SPÖ und ÖVP nicht einen "neuen Feiertag, den Sankt Nimmerleinstag" einführen wolle. Angesprochen auf die soziale Lage, meinte Küberl, das Thermometer könnte sich bewegen, wenn man fest drauf klopfe, aber er habe auch die Befürchtung, dass es in anderen Fragen ein wenig nach unten gehen könnte. Die Mindestsicherung ist für ihn wie ein "Steg über ein Hochwasser, damit Menschen nicht runterfallen sondern in einer schwierigen Lebenssituation aufgefangen sind".

Caritas: Niemand soll zurückbleiben
Der Einwurf, dass die Caritas Österreich so darstelle, als versinke das Land in Armut, lässt Küberl unbeeindruckt. 85 Prozent der Menschen gehe es sehr gut. Aufgabe der Caritas sei es aber mitzuhelfen, dass niemand zurückbleibe. Skeptisch zeigte sich der Caritas-Präsident über die Abschaffung der Erbschaftssteuer. Man sollte mithelfen, dass das Gleichgewicht der Besteuerung von Arbeit einerseits und den Erträgen aus Vermögen andererseits nicht auseinander gehe. Er sehe sich nicht als Robin Hood der Umverteiler, sondern als kleiner katholischer Sozialhelfer. "Ich sage nicht, dass die Armen reich werden und Heuschreckenkapital haben sollen, sondern dass sie nicht hinterbleiben und keine Zukunftschancen bekommen."

Frauen in Kirchen-Verantwortung einbinden
Zum Verhältnis zwischen Caritas und ÖVP merkte er an, es gebe mit der Volkspartei genauso wie mit anderen eine vernünftige Gesprächsbasis. Das "ab und zu über einen gegrummelt wird, muss man in der Hitze des Tages aushalten". Von seiner Kritik an der Kirche im Zusammenhang mit der Stellung der Frau nehme er kein Jota zurück. "Es ist eine ganz entscheidende Innen- und Binnenaufgabe der katholischen Kirche, dass die Frauen endgültig in die gemeinsame Verantwortung der Kirche einwandern können."

(apa)