Fakten von

Kuba und die USA - Stationen
einer schwierigen Beziehung

Warum über 50 Jahre lang Eiszeit herrschte und sich die Lage heute normalisiert hat

Castro und Obama © Bild: REUTERS/Jonathan Ernst

Über 50 Jahre lang waren sie Feinde: die USA und die sozialistische Republik Kuba. Unter US-Präsident Barack Obama haben sich die beiden Nationen langsam wieder angenähert - eine historische Wende. Heute hat sich die Beziehung wieder einigermaßen normalisiert.

Seit Jahrzehnten prangerte der kleine Karibikstaat die Anfang der 1960er Jahre verhängten US-Handels- und Wirtschaftssanktionen an. Die Stationen der Beziehungen zwischen den USA und Kuba im Überblick:

1960: Washington erlässt ein Teilembargo. Schon unmittelbar nach der Revolution 1959 gegen den Diktator Batista, bei der Castro die treibende Kraft war, hatten die USA die Wirtschaftshilfe eingestellt und die Einfuhr von Zucker gedrosselt, Kubas wichtigstem Exportgut.

Fidel Castro 1955
© Elizabeth Frey/Hulton Archive/Getty Images Revolutionsführer Fidel Castro im Jahr 1955

1961: Im Jänner bricht Washington seine diplomatischen Beziehungen zu Havanna ab. Im April versucht eine Söldnertruppe von Exilkubanern, mit Hilfe des US-Geheimdienstes CIA das Regime zu stürzen. Kubas Revolutionsarmee schlägt die Invasion in der Schweinebucht zurück.

1962: Die USA verhängen ein komplettes Handelsembargo. Die Kubakrise führt die Welt an den Rand eines Atomkrieges. Wegen der Stationierung sowjetischer Atomraketen auf der Insel ordnet US-Präsident John F. Kennedy eine Seeblockade an, Kremlchef Nikita Chruschtschow zieht die Raketen wieder ab.

US-Präsident John F. Kennedy 1962
© Keystone/Hulton Archive/Getty Images 22. Oktober 1962: John F. Kennedy bei seiner dramatischen Fernsehansprache, in der er die Seeblockade gegen Kuba verkündet.

1977: 16 Jahre nach dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen eröffnet Washington in Havanna eine Interessenvertretung unter dem Dach der Schweizer Botschaft.

1982: Washington wirft Kuba vor, Terroristen in anderen Staaten zu unterstützen und setzt das Land auf die US-Terrorliste.

1992: Der US-Kongress verabschiedet den "Cuban Democracy Act", der US-Firmen in Drittländern jeden Kuba-Handel untersagt.

1994: Mehr als 30.000 Kubaner fliehen per Floß in Richtung USA. Washington und Havanna einigen sich später darauf, dass die USA auf See aufgegriffene Bootsflüchtlinge nach Kuba zurückbringen.

1996: Nach dem Abschuss von zwei Kleinflugzeugen einer exilkubanischen Organisation durch die kubanische Luftwaffe setzt US-Präsident Bill Clinton das umstrittene Helms-Burton-Gesetz in Kraft, das das Kuba-Embargo noch einmal verschärft.

1999: Die USA lockern ihre Sanktionen. So soll es künftig mehr Charterflüge nach Kuba geben.

2001: Erstmals seit der Verhängung des Handelsembargos vier Jahrzehnte zuvor liefern Firmen aus den USA wieder Lebensmittel.

2004: US-Präsident George W. Bush verschärft Reisebeschränkungen für US-Bürger und schränkt Geldüberweisungen weiter ein.

2009: US-Präsident Barack Obama hebt die Reisebeschränkungen für Exilkubaner auf. Außerdem dürfen sie wieder Geld nach Kuba schicken. Bald darauf gibt es auch wieder Gespräche auf Regierungsebene.

Obama schüttelt Raul Castro die Hand.
© REUTERS/SABC via Reuters TV 2013: Bei der Trauerfeier für den früheren südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela schüttelten sich Obama und Raul Castro vor laufenden Kameras die Hand.

2014: Im Dezember kündigt Obama an, die bilateralen Beziehungen mit Kuba normalisieren zu wollen.

2015 : Im Jänner beginnen offizielle Verhandlungen. Nach einigen Telefonaten treffen sich Obama und Raul Castro im April erstmals zu einem längeren direkten Gespräch beim Amerika-Gipfel in Panama. Am 29. Mai wird Kuba von der US-Terrorliste gestrichen. Im Juli werden die diplomatischen Beziehungen wieder hergestellt. Im August reist Außenminister John Kerry als erster US-Chefdiplomat seit 1945 nach Havanna und eröffnet die Botschaft wieder. Im September setzt Washington neue Regeln in Kraft, die US-Unternehmen Geschäfte mit Kuba und das Reisen erleichtern.

2016: Im Februar wird eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach es vom Herbst an wieder direkte kommerzielle Flugverbindungen geben soll.

Heinz Fischer 2016 zu Besuch auf Kuba
© REUTERS/Alexandre Meneghini Bundespräsident Heinz Fischer am 2. März bei seinem Besuch auf Kuba: Er besichtigte auch die Altstadt von Havanna.

Sind die Beziehungen damit jetzt ganz normal?

Noch nicht. Beide Regierungen betonen, dass der Weg noch nicht abgeschlossen sei. Die USA wollen Menschenrechtsverletzungen in Kuba weiter anprangern. Kuba wiederum fordert, die USA müssten die Militärbasis Guantanamo Bay aufgeben. Einige Oppositionspolitiker im US-Kongress ist das von Obama und Castro angestrebte Ziel, das Handelsembargo voll zu kippen, ein rotes Tuch.

Stichwort Kuba:
Gut elf Millionen Einwohner leben auf Kuba, das Land ist etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte Revolutionsführer Fidel Castro (89). Unter Fidels jüngerem Bruder Raul (84) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

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