Kuba verteilt Land an Bauern für Anbau: Staat steigert Produktion in Landwirtschaft

Neue Reformen des neuen Staatschefs Raul Castro Erleichterungen für die Bevölkerung des Inselstaates

Kuba verteilt Land an Bauern für Anbau: Staat steigert Produktion in Landwirtschaft © Bild: Reuters/De la Osa

Die Kubanische Regierung hat damit begonnen, ungenutzte landwirtschaftliche Flächen an Bauern zu verteilen. Wie das Staatsfernsehen der kommunistischen Karibikinsel berichtete, diene die Maßnahme der Produktionssteigerung von Grundnahrungsmitteln. Auch der Anbau von Tabak und Kaffee solle verstärkt werden. Gleichzeitig wurden die staatlichen Preise für landwirtschaftliche Produkte ebenfalls mit dem Ziel angehoben, die Produktion anzukurbeln. Kuba muss trotz Devisenknappheit einen großen Teil der Lebensmittel importieren.

Das Land wird den Bauern allerdings nur über Kooperativen zur Verfügung gestellt, wie Orlando Lugo Fonte, der Vorsitzende des Kleinbauernverbandes (Anap) im Fernsehen erklärte. Nach offiziellen Angaben liegt rund die Hälfte der landwirtschaftlichen Anbauflächen in Kuba brach oder wird nur ungenügend genutzt. Die Verteilung des Landes solle geordnet ablaufen und nicht zu einem Chaos führen, sagte Fonte, der auch Mitglied des Staatsrates ist, weiter.

Neue Freiheiten
Gut einen Monat nach dem historischen Wechsel an der kubanischen Staatsspitze darf sich die Bevölkerung der kommunistischen Karibik-Insel über neue Freiheiten freuen. Staatschef Raúl Castro erlaubte seinen Landsleuten, in bisher ausländischen Touristen vorbehaltenen Hotels zu wohnen sowie Autos zu mieten. Zuvor hatte er schon das Telefonieren mit dem Handy genehmigt. Jetzt tritt eine Verordnung in Kraft, die das Verkaufsverbot von Computern, Fernsehern und anderen Elektrogeräten aufhebt. Raúl Castro hatte nach der Wahl zum Nachfolger seines erkrankten Bruders Fidel das Ende von Wirtschaftsbeschränkungen angekündigt.

Angestellte mehrerer Hotels in der Hauptstadt Havanna bestätigten der Nachrichtenagentur AFP, dass eine Anweisung zur Öffnung der Hotels ergangen sei. Übernachtungen in den Touristen-Hotels waren bisher frisch vermählten Kubanern auf ihrer Hochzeitsreise sowie ausgewählten Studenten und Arbeitern vorbehalten. Zudem dürften Kubaner, die in einem Hotel logierten, neuerdings auch Autos mieten, bestätigte ein Vertreter der staatlichen Autovermietung Cubacar. Kubaner zahlten dafür die gleichen Preise wie Ausländer.

Hotels für Einheimische unerschwinglich
Die kubanischen Medien hatten die Neuerung allerdings noch nicht verkündet. Der Hotelaufenthalt sowie das Leihen eines Autos müssen in der einheimischen Devisenwährung Peso convertible (CUC) bezahlt werden und sind somit für einen Großteil der Bevölkerung nicht erschwinglich, die ihre Gehälter in kubanischen Pesos ausgezahlt bekommt. Also können vorerst nur wenige Kubaner die neue Freiheit wahrnehmen - in einer Hotelbar im Zentrum Havannas einen Kaffee zu trinken, kostet etwa ein Zehntel des monatlichen Durchschnittseinkommens.

Raúl Castro zeigt dennoch mit den Lockerungen erneut seinen Willen, der kubanischen Bevölkerung schrittweise mehr Freiheiten zu gewähren. So darf die nationale Telekommunikationsfirma ETECSA den Bürgern seit dem vergangenen Freitag Mobilfunkverträge anbieten. Zuvor konnten lediglich Ausländer und hochrangige Regierungsmitarbeiter Mobilfunktelefone nutzen. Die Handygespräche müssen nach dem Prepaid-Verfahren im Voraus bezahlt werden. Außerdem wird wie bei den Touristen-Hotels nur der umtauschbare Peso akzeptiert.

Elektrogeräte aller Art
Eine Verordnung des Innenministeriums hebt außerdem die Beschränkungen für den Verkauf von Fernsehern, Computern, DVD-Spielern, Mikrowellen-Herden und ähnlichen Geräten auf. Der Verkauf war 2003 von der Regierung mit Verweis auf die Stromknappheit im Land eingeschränkt worden.

Am 24. Februar hatte die kubanische Nationalversammlung den 76-jährigen Raúl Castro zum Nachfolger seines fünf Jahre älteren Bruders Fidel als Staatsratsvorsitzender und Präsident gewählt und damit nach fast 50 Jahren einen Wechsel an der Staatsspitze besiegelt.

(apa/red)