Kröll und Scheiber bereit für die Stelvio:
Abfahrer erwartet in Bormio wilder Ritt

Steirer im Abschlusstraining vor Osttiroler Schnellster Michael Walchhofer nach Rang sechs unzufrieden

Kröll und Scheiber bereit für die Stelvio:
Abfahrer erwartet in Bormio wilder Ritt © Bild: Reuters

Klaus Kröll hat das Abschlusstraining für die Weltcup-Abfahrt in Bormio dominiert und geht somit als Favorit ins heutige Rennen. Der Steirer absolvierte den 3.270 m langen und überaus wilden Ritt über die berühmt-berüchtigte Stelvio in überlegener Bestzeit von 2:01,56 Minuten. Exakt 58 hundertstel Sekunden hinter seinem ÖSV-Teamkollegen folgte der Osttiroler Mario Scheiber auf Platz zwei. Abfahrts-Weltcup-Titelverteidiger Didier Cuche aus der Schweiz beendete die Generalprobe auf der pickelharten und extrem unruhigen Piste als Dritter (0,70).

Kröll, der bereits am Vortag mit Platz drei aufgezeigt hatte, war angesichts seiner Topzeit ein wenig überrascht. "Ich war gestern maßlos überfordert. Doch im Moment bin ich anscheinend auch schnell, wenn ich nicht das optimal Gefühl habe. Heute ist es aber viel besser gegangen, ich habe die Linie schon sehr gut erwischt", erklärte der 30-Jährige, der seine starken Trainingsleistungen nun auch am Mittwoch im Rennen bestätigen will. "Ich glaube, ich bin reif für einen Stockerlplatz."

Einen Podestrang peilt auch Scheiber an, der nach bereits neun zweiten Plätzen für seinen ersten Weltcup-Sieg längst überfällig ist. "Es ist mir heute schon viel besser als im ersten Training gegangen. Ich bin sehr zufrieden und für diese zwei Minuten mehr oder weniger hundertprozentig fit. Ob es für ganz vorne reichen wird, wird man morgen sehen", gab der 27-Jährige, der im Vorfeld von Bormio mit einem Kapselriss im bereits mehrfach lädiert gewesenen rechten Knie zu kämpfen gehabt hatte, zu Protokoll.

Hoffnungen ruhen auch auf Walchhofer
Neben Kröll und Scheiber hofft man im ÖSV-Lager auch noch auf Routinier Michael Walchhofer. Der 35-jährige Salzburger wurde im letzten Training Sechster, hatte aber bereits 1,52 Sekunden Rückstand auf Kröll. "Ich habe mich von oben bis unten nur geplagt, deshalb war auch mein Rückstand so groß", erklärte Walchhofer, der auch schon am Montag trotz Platz zwei unzufrieden gewesen war.

"Es war gestern schon schlecht und heute noch schlechter. Ich hoffe, dass ich es im Rennen besser mache. Ich muss mit weniger Respekt an diese Abfahrt herangehen", glaubte der Hotelier aus Zauchensee das Erfolgsrezept für das heutige Rennen zu kennen. Allerdings gestand Walchhofer wie alle anderen Spitzenläufer auch: "Die Piste ist so schwer, dass man kaum eine runde Fahrt hier runterbringt."

Der Südtiroler Christof Innerhofer, Bormio-Sieger 2008 und überlegener Trainingsschnellster am Montag, bluffte wie seine Teamkollegen Werner Heel und Peter Fill im Abschlusstraining, um Kraft für das Rennen zu sparen. Die Hoffnungen der Schweizer ruhen ausschließlich auf Cuche, der vor mittlerweile 17 Jahren - am 29. Dezember 1993 - in Bormio sein Weltcup-Debüt gegeben hat. Den 36-jährigen Fleischhauer, der damals als Vorletzter 6,5 Sekunden auf ÖSV-Sieger Hannes Trinkl verloren hatte, verbindet mit der "Stelvio" allerdings eine "Hassliebe". Dazu kommt, dass die Schweizer seit dem WM-Titel von Pirmin Zurbriggen 1985 auf einen Abfahrtssieg in Bormio warten.

(apa/red