Kroatisches Team versinkt im Tränenmeer:
"Mir kommt das alles wie ein Albtraum vor"

Unglückliches Aus gegen Türkei reißt tiefe Wunden Spieler können "Katastrophe von Wien" nicht fassen

Kroatisches Team versinkt im Tränenmeer:
"Mir kommt das alles wie ein Albtraum vor" © Bild: APA/Pfarrhofer

"Unglaublich", "Tragödie", "Katastrophe", stammelten die kroatischen Fußball-Nationalspieler nach dem dramatischen und schmerzlichen Aus im Elfmeterschießen gegen die Türkei im Viertelfinale bei der EURO 2008. Darijo Srna weinte und schluchzte noch auf dem Rasen wie kleines Kind und konnte nur schwer beruhigt werden. In den Katakomben des Wiener Ernst-Happel-Stadions ließen dann alle Spieler ihrer Enttäuschung freien Lauf und vergossen bittere Tränen.

"In der Kabine war es so, wie wenn jemand gestorben wäre", schilderte Ivan Klasnic, der sein Team in der 119. Minute in Führung und damit Kroatien praktisch ins Semifinale nach Basel, wo Deutschland gewartet hätte, schoss. Doch Semih Sentürk mit seinem Ausgleichstreffer in der 122. Minute und die schwachen Nerven beim Elfmeterschießen stürzten Kroatien in die Verzweiflung. "Die Türken hatten unglaubliches Glück", sagte Klasnic und sprach damit all seinen Mitspielern aus der Seele.

Tormann Stipe Pletikosa: "Eine Katastrophe. Ich kann nicht glauben, dass so etwas im Fußball und Sport überhaupt passieren kann. Genauso kann ich nicht glauben, dass jemand wie die Türkei so viel Glück haben kann und drei Tore in drei Spielen in den letzten drei Minuten schießt". Verteidiger Vedran Corluka, der schon auf dem Rasen bittere Tränen vergoss, sprach von einer "fußballerischen Tragödie". "Wir waren viel besser. Ich bin traurig und enttäuscht. Das werden wir lange nicht vergessen." Kroatien ging übrigens bisher noch bei keinem EM- oder WM-Turnier in die Verlängerung oder gar ins "Fußball-Roulette" Elfmeterschießen.

"Wir fühlen uns alle schlecht"
"Ich glaube, dass mich dieses Spiel bis zum Ende meines Lebens begleiten wird", befürchtete Danijel Pranjic, der in der ersten Hälfte auf der linken Seite eine Weltklasse-Leistung bot und danach wegen Rückenschmerzen nur mit einer Injektion durchhielt. "Unglaublich, ich kann es einfach nicht glauben. Wir fühlen uns alle schlecht. Mir kommt das alles wie ein Alptraum vor", sagte ein zermürbter Pranjic. Das "wahrlich Tragische" sei, dass man nun nach drei Siegen und einem Remis ausgeschieden sei.

Auch Kapitän Niko Kovac konnte es nicht fassen, dass sein Team ohne Niederlage im Gepäck die Heimreise antreten muss. Trotz allem zeigte er sich nur "stolz": "Ich bin stolz auf alle. Wir haben gezeigt, dass wir ein Volk sind, das Fußball spielen kann, das weiß, wie man anfeuert, ein Volk, das stolz ist".

"Ich habe die schlimmsten Momente in meiner Karriere erlebt", stammelte der "alte" Haudegen Josip Simunic mit geschwollenen Augen. "Ich kann nicht beschreiben, wie traurig ich bin. Wir haben alle alles gegeben, aber wahrscheinlich war es uns nicht bestimmt. Das bessere Team ist ausgeschieden, aber so ist das im Fußball. Ich will so etwas nie wieder erleben."

Olic unansprechbar
Einige Spieler wie Niko Kranjcar rangen nach Worten: "Was kann ich sagen? Was kann ich nach all dem sagen?" Andere brachten überhaupt nichts über die Lippen. Der Blick von Ivica Olic, der in der 19. Minute mit einem Lattenschuss aus kurzer Entfernung die größte kroatische Chance vergab, ging ins Leere. Der Sturmtank war nicht ansprechbar.

Der eigentliche "tragische Held" war Luka Modric. Gerade der überragende Mann auf dem Feld leitete quasi das kroatische Drama ein, als er den so wichtigen ersten Penalty verschoss. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wir sind alle sehr traurig", sagte ein niedergeschlagener Modric. "Wir haben gut gespielt, wir waren besser, aber der Ausgleich hat uns zerstört. Danach haben wir es nicht geschafft, uns zu erholen."

Teamchef Slaven Bilic sprach von einem "unglaublichen Ende" und "Schock". Er gratulierte seinen "traurigen Helden". Dieses Spiel einfach zu vergessen, sei "unmöglich", aber man müsse nach vorne schauen, die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika stehe vor der Tür. Er habe ein junges Team und Spieler mit einem "spezifischen Charakter", betonte der in Kroatien geliebte und verehrte Teamchef und fügte hinzu: "Die Sonne wird trotz allem aufgehen. Wir werden noch einige Tage weinen, und dann werden wir noch stärker zurückkommen".

(apa/red)

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