Kroatien feiert Jubiläum: Vor 15 Jahren
von EU als unabhängiger Staat anerkannt

Umfrage: Zufriedenheit mit eigenem Staat wächst

Kroatien feiert heute den 15. Jahrestag der Anerkennung als selbstständiger Staat. Am 15. Jänner 1992, inmitten des Krieges im ehemaligen Jugoslawien, wurde das Land von den damaligen 12 Staaten der EU anerkannt. Am gleichen Tag folgten weitere sieben Staaten, darunter auch Österreich diesem Beispiel. Davor hatten Island am 19. Dezember 1991 und der Vatikan am 13. Jänner Kroatien diesen Schritt gesetzt.

Mate Granic, damaliger stellvertretender Ministerpräsident in der so genannten "Regierung der demokratischen Einheit" ("Vlada demokratskog jedinstva") erinnerte anlässlich der bevorstehenden Feierlichkeiten daran, dass die Ansichten der EU damals über die Frage der Anerkennung gespalten waren. Die dominanten Kräfte für den Erhalt Jugoslawiens waren Frankreich und Großbritannien, die ihre Augen vor der Kriegspolitik Slobodan Milosevics schlossen.

Ohne die Anstrengungen Deutschlands hätte niemand den Widerstand gegen die Anerkennung gebrochen, so Granic gegenüber der kroatischen Tageszeitung "Jutarnji list". Granic gehörte damals der Kroatischen Demokratischen Gemeinschaft (HDZ) von Kroatiens erstem Präsidenten, Franjo Tudjman, an. Später gründete er das Demokratische Zentrum (DC).

Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag der kroatischen Tageszeitung "Vecernji list" sind die Kroaten mit ihrem Staat immer zufriedener. Demnach glaubt eine Mehrheit, dass es sich ausgezahlt hat, für die Selbstständigkeit des Landes zu kämpfen und dass Tudjmann eine wichtige Rolle bei der Erlangung der Selbstständigkeit gespielt hat.

Vergleicht man die aktuelle Umfrage mit einer ähnlichen vor vier Jahren, dann sieht man, dass die Beziehung der Menschen zum Staat" reifer wird, und dass den damaligen Schlüsselpersonen mehr Anerkennung zuteil wird", schrieb "Vecernji list". Sagten vor vier Jahren noch 55,3 Prozent der Befragten, dass es wert war, "sich für Kroatien zu opfern", waren es heuer 60,2 Prozent.

Allerdings herrscht über den Lebensstandard im unabhängigen Kroatien Unzufriedenheit, vor allem über die sozialen Ungleichheiten, die in den vergangenen 15 Jahren entstanden sind. Die Mehrheit der Kroaten glaubt, dass sie jetzt besser als vor fünfzehn Jahren lebt. Noch immer sind jedoch 40 Prozent davon überzeugt, vor der Unabhängigkeit besser gelebt zu haben. Die Menschen stört nach Ansicht von Analysten die Ungleichheit, die durch die missgestalteten Privatisierungen und Korruption entstanden ist, mehr, als die Armut in Ex-Jugoslawien, die die meisten Bürger im selben Maße betraf.

"Wenn wir den Lebensstandard nur am Einkommen messen, dann sind wir in dieser Zeit vorangekommen. Aber wenn wir Gefühlslage und die Identitätskriterien mit einbeziehen, dann sind wir schrecklich abgesunken", so der Historiker Josip Jurcevic. Der Soziologe Ivan Grubisic strich heraus, dass einige Teile der Wirtschafts- und Sozialpolitik während des Kommunismus besser funktionierten als heute.

Die kroatische Regierung begeht das Jubiläum gemeinsam mit Staatspräsident Stipe Mesic, allen bisherigen Regierungschefs des Landes sowie weiteren Spitzen der kroatischen Politik mit einer feierlichen Regierungssitzung.

(apa/red)