Kroaten nach EURO-Vergabe enttäuscht und
sauer: Auch Baric wittert Verschwörungen

'Kleine Länder sollten kein Geld mehr ausgeben dafür' Wenig Verständnis für Entscheidung von Markovic

Einen Tag nach der Entscheidung des UEFA-Exekutivkomitees, die "EURO 2012" an Polen und die Ukraine zu vergeben, regierten in kroatischen Fußballkreisen Enttäuschung und Zorn. Die Tatsache, dass die gemeinsame Bewerbung Kroatiens mit Ungarn nicht einmal eine Stimme erhalten hatte, wollte Verbandspräsident Vlatko Markovic kaum glauben. Der Ex-Rapid-Trainer reagierte sauer: "Kleine Länder sollten für solche Bewerbungen gar kein Geld mehr auszugeben." Ex-ÖFB-Teamchef Otto Baric wittert sogar eine Verschwörung und Bestechungen.

Für Markovic dürften sich die UEFA-Gewaltigen wegen des größeren Wirtschaftsmarktes für Polen und die Ukraine entschieden haben. Kroatien und Ungarn haben gemeinsam rund 14,4 Millionen Einwohner, Polen und die Ukraine kommen zusammen jedoch auf fast 88 Millionen. Also sprach der kroatische Fußballpräsident mit einer Spur Übertreibung: "Das ist wohl nur etwas für Länder mit mehr als 100 Millionen."

Verständnis für die Entscheidung hatte Markovic wenig: "Unsere Präsentation war die beste und wir waren der absolute Favorit". Die Überraschung war umso größer, weil ihm aus UEFA-Kreisen zuvor zugetragen worden sei, dass die Entscheidung zwischen Kroatien/Ungarn und Italien falle und Polen/Ukraine längst aus dem Rennen sei.

Auch wenn Markovic in seiner ersten Reaktion von einer "Riesenkatastrophe für die UEFA" gesprochen und weitere Bewerbungen kleinerer Länder als "sinnlos" dargestellt hatte, gab er sich in weiterer Folge wieder kämpferischer: "Vielleicht sollten wir die EURO 2016 in Angriff nehmen. Dann wird Kroatien in der EU sein. Beim zweiten Mal könnte die Entscheidung dann eine andere sein."

Grund für einen Rücktritt sieht der 70-Jährige nicht: "Ich denke nicht daran, wir waren ausgezeichnet vorbereitet", erklärte er gegenüber der Zeitung "Jutarnji list". Markovic war in den 1960-er-Jahren Spieler beim Wiener Sportklub und der Austria und in den 80-ern Trainer von Rapid. Als Verbandspräsident von Kroatien ist er seit 1998 im Amt.

In den Medien kam Markovic weniger gut davon. "Nun sehen wir, wie hoch das Ansehen von Markovic ist", schrieb die Zeitung "Novi list" aus Rijeka. Landsmann Otto Baric, ehemaliger ÖFB- und Kroatien-Teamchef sowie Salzburg-Meistermacher und nunmehr Nationalcoach von Albanien, wittert gar eine Verschwörung gegen sein Heimatland und sprach indirekt von Bestechung. "Es wurde unter dem Tisch gespielt und wir haben daran nicht teilgenommen. Maßgebend war die Wirkung der Beschwörung, aber auch die Farbe des Geldes".

Regierungschef Ivo Sanader versuchte die Gemüter zu besänftigen: "Wenn andere die Meisterschaft bekommen, sollte man das nicht tragisch nehmen, und wir sollten es wieder versuchen." Auch Finanzminister Ivan Suker, der bedeutende Einnahmen für sein Land erwartet hatte, kündigte schon eine erneute Kandidatur an: "Es ist nicht das Ende der Welt, wir müssen auf die nächste Meisterschaft hoffen." Der Bürgermeister von Zagreb, Milan Bandic, forderte sportliche Erfolge: "2012 müssen wir auf dem Spielfeld siegen."

Die Ungarn hatten sich bereits mit Österreich für die EURO 2004 und allein für 2008 beworben.

(apa/red)