Kritik an US-Häftlingslager in Afghanistan: Gefängnis auf Stützpunkt für 500 Menschen

"NYT": Schlimmer als Guantanamo auf Kuba

In Afghanistan gibt es nach einem Bericht der Zeitung "New York Times" ein US-Gefangenenlager, in dem schlimmere Zustände herrschen als in Guantanamo auf Kuba. Die US-Armee habe auf ihrem Stützpunkt Bagram bei Kabul unbemerkt von der Öffentlichkeit ein Gefängnis ausgebaut und halte dort rund 500 Menschen fest, berichtete die Zeitung am Sonntag.

Bei zahlreichen Gelegenheiten hätten Vertreter des Verteidigungsministeriums in Washington das Gefängnis als Provisorium beschrieben. Dort seien hauptsächlich Afghanen eingesperrt, die schließlich amnestiert oder in eine afghanische Haftanstalt verlegt würden, die mit US-Hilfe gebaut werde. Tatsächlich aber seien die Häftlinge in Bagram bis zu drei Jahre festgehalten worden.

Den Häftlingen in Bagram würden bis heute Anwälte vorenthalten, sie wüssten nichts über die Vorwürfe gegen sie und würden von den USA als feindliche Kämpfer angesehen, berichtete die "New York Times" weiter. Ehemalige Gefangene, Militärvertreter und Soldaten hätten Anlagen beschrieben, in denen Männer in Drahtkäfigen gehalten würden und bis vor einem Jahr Eimer als Toiletten benutzen mussten. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz habe Zugang zu dem Gefängnis. Ranghohe Pentagon-Vertreter hätten zu dem Bericht nichts sagen wollen. Der US-Stützpunkt Bagram liegt rund 65 Kilometer von Kabul entfernt.

(apa)