Kritik von

Triumph der klugen Italienerin

Kritik - Triumph der klugen Italienerin © Bild: Monika Rittershaus

Cecilia Bartoli als Gioachino Rossinis „L’Italiana in Algeri“ bei den Salzburger Pfingstfestspielen

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Seit 2012 leitet Cecilia Bartoli die Salzburger Pfingstfestspiele – und das mit Esprit und Sinn für kluge Programmierung. Die aktuelle Ausgabe eröffnete Gioachino Rossinis „L’Italiana in Algeri“ mit Bartoli in der Titelrolle. Das Regie-Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier, das sich an der Salzach nicht zum ersten Mal bewährte, setzte bei der Inszenierung der Opernkomödie ganz auf den Musikdramatiker Rossini. Keinen Takt ließen sie ungenützt verklingen, ohne ihn mit ihrem speziellen Humor zu unterlegen. Die Geschichte der Italienerin Isabella, die in Algerien nach ihrem verschollenen Geliebten Lindoro sucht, in die Fänge eines Sultans gerät, wo just das Objekt ihrer Fahndung als Sklave dient, verlegen Leiser/Caurier in die Gegenwart. Und das in Zeiten von ständigen Debatten über Kopftücher, Integration, Islamisierung und #Metoo. Nichts davon lassen sie aus. Trotzdem erscheint kein einziger Regieeinfall zu viel. Weder das animierte Wandbild, das über dem Ehebett des Sultan-Ehepaars während der Ouvertüre prangt und zwei Kamele bei der Partnersuche zeigt, noch die Zitate aus Hollywood-Filmen wie „Titanic“, noch auf eine Leinwand projizierte Szenen aus Federico Fellinis Film „La dolce Vita“, noch die Moslems, die in Trainingsanzügen immer wieder allerlei technische Gerätschaften für den von seiner Frau gelangweilten Sultan herbeischaffen.

Im Zentrum steht La Bartoli: sie ist Rossinis kluge Italienerin, die einen despotischen Sultan, der sie gegen seine Frau eintauschen will, Mores lehrt. Sie hat den Mut und den Stolz einer Italienerin, die ihre Landsleute aus der muslimischen Gefangenschaft in die Freiheit führt. Nein, es ist nicht übertrieben, wenn man behauptet, die Partie ist wie geschaffen für die Mezzosopranistin, die mit herrlichen Koloraturen begeisterte und mit Humor und Charme die Isabella gab. Umgeben war sie von sehr guten Sängern. Allen voran Edgardo Rocha. Der Tenor aus Uruguay ist einen stimmlich idealtypischer Lindoro, der die fordernden Arien spielerisch bewältigt. Alessandro Corbelli ist ein exzellenter Komödiant, der als Taddeo mit seinem gut geführten Bariton erfreute. Peter Kálmán überzeugte als Mustafa. Rebeca Olvera fiel nicht nur darstellerisch auf, sondern auch mit ihrem klaren, höhensicheren, aber nie schrillem Sopran. Das Paar der Hausangestellten ist mit José Coca Loza und Rosa Bove sehr gut besetzt.

Jean-Christophe Spinosi führt das Ensemble Matheus mit Bedacht. Das steht war in Kontrast zur Bühne, verbreitet aber trotzdem durch die Originalklanginstrumente einen eigenen Charme.