Kritik von

Königinnen auf
der Bremsscheibe

Donizettis „Maria Stuarda“ am Theater an der Wien

Kritik - Königinnen auf
der Bremsscheibe © Bild: Monika Rittershaus

Agnes Baltsa gegen Edita Gruberova: Was war das für ein Kampf von Gigantinnen, wenn die zwei Diven der Superklasse gegeneinander antraten. Das war königlich, das war Belcanto, das war Donizetti. Jeder Vergleich wäre unfair. Denn Alexandra Deshorties (Elisabetta) Marlis Petersen (Maria Stuarda) haben es nicht leicht. Das ist vor allem der Regie geschuldet.

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Die Begegnung der englischen Königin Elizabeth I. mit Mary Stuart, die so nie stattgefunden hat, zeigen Alexandra Deshorties (Elisabetta) und Marlis Petersen (Maria Stuarda) als eisige Gegenüberstellung zweier Rivalinnen. Die können auf einem Thron sitzen in der Chefetage eines Konzern, wie Loy im zweiten Akt mittels schwarzer Business-Kostümierung seiner Figuren vorschläg. Katrin Lea Tag hat dafür einen Bühnenhintergrund geschaffen, der wie Konzertmuschel für konzertante Aufführung anmutet. Das Ärgernis ist aber eine ständig rotierende Drehscheibe, die beliebig gehoben, gesenkt und in diverse Schräglagen versetzt wird. Das ist übertrieben. Und bremst das Geschehen.

Das dunkle Kapitel der britischen Historie, in der Elizabeth I. ihre schottische Widersacherin und jahrelange Gefangene enthaupten lässt, reduziert Loy auf den Konkurrenzkampf zweier Frauen. Alexandra Deshorties ist für Loys Elisabetta eine Idealbesetzung. Darstellerisch überzeugt sie sowohl als historische Figur und am Ende als beilschwingende Businessfrau. Stimmlich lässt sich von ihr nur sehr gutes berichten. Sie verfügt über die nötigen Höhen, kann keifen und verführen wird nie schrill. Für die Sopranistin Marlis Petersen war der Ausflug ins Belcanto-Fach kein verlorenes Unterfangen. Sie berührt mit ihrer etwas eigenwilligen Phrasierung. Was ihr ungewohnt erscheint, kompensiert sie mit Intensität. Loys Personenführung kommt Petersen nicht zugute. Hilflos mutet es wann, wenn sie Hände ringend am Bühnenrand steht oder einfach zu Boden geht. Auch in Leicester hat sie keine Stütze. Norman Reinhardt ringt wacker mit dem Tenorpart. Stefan Cerny überzeugt als Talbot auch darstellerisch.

Paolo Arrivabeni strickt sich am Pult des ORF Radio-Symphonieorchesters solide, nahezu gemächlich durch die Partitur. Italienisch-Unterricht wären dem Sängerensemble und dem sonst formidablen Arnold -Schönberg-Chor zu empfehlen. Wäre das nur das geringste, was bei dieser Aufführung fehlt.