Kritik an befristeten Jobs: "Unternehmen tun alles, um Mitarbeiter zu demotivieren"

Arbeitspsychologe kritisiert Trend zu Jobs auf Zeit "Jegliche Lebensplanung wird unmöglich gemacht"

Kritik an befristeten Jobs: "Unternehmen tun alles, um Mitarbeiter zu demotivieren" © Bild: APA

Betriebsseelsorger und Arbeitspsychologen kritisieren die zunehmende Zahl befristeter Arbeitsverträge. Durch die befristeten Jobs werde den Arbeitnehmern "jegliche Lebensplanung unmöglich gemacht", sagte der deutsche Bundessprecher der katholischen Betriebsseelsorger, Peter Hartlaub, laut "Frankfurter Rundschau". Vor allem junge Menschen litten darunter. Sie seien oft auch mit ganz praktischen Problemen konfrontiert: "Wenn man einen Kredit für ein Auto braucht, hat man mit einem befristeten Vertrag schlechte Karten."

Die Wirkung der befristeten Anstellungen könne auch für die Unternehmen "absolut kontraproduktiv" sein, sagte der Frankfurter Arbeitspsychologe Dieter Zapf der Zeitung. Er habe den Eindruck, "als würden die Unternehmen alles tun, um die Mitarbeiter zu demotivieren. Dabei müssten sie an motivierten Mitarbeitern interessiert sein."

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hat die Zahl der Arbeitnehmer mit befristeten Verträgen in Deutschland in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Im Jahr 2008 arbeiteten demnach 8,9 Prozent der Beschäftigten mit einem befristeten Vertrag. Das ist die höchste Quote seit 1991 (damals 5,7 Prozent), als erstmals Daten für das wiedervereinigte Deutschland vorlagen. 2008 hatten den Angaben zufolge 2,7 Millionen Beschäftigte im Alter von 15 bis unter 65 Jahren (ohne Schüler und Studierende mit Nebenjob sowie Auszubildende) einen befristeten Arbeitsvertrag. Besonders betroffen sind jüngere Arbeitnehmer und Ausländer.

Arbeitgeber benötigen Flexibilität
Der Chef des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller, verteidigte die gestiegene Zahl von befristeten Arbeitsverträgen. Zwar sei die Verbreitung befristeter Jobs für Beschäftigte erst einmal nicht erfreulich, sagte er "Frankfurter Rundschau". "Aber man muss sich fragen, wie die Alternativen aussehen." Arbeitgeber benötigten eine gewisse Flexibilität beim Arbeitskräftebedarf. Ein Instrument sei die Befristung, auf die man nicht einfach verzichten könne. "Den Kündigungsschutz zu reduzieren oder die Leiharbeit zu forcieren, wären meiner Meinung nach schlechtere Alternativen."

(apa/red))