Kritik von

Coriolan – Kein Staatskünstler

Über die Premiere von William Shakespeares Feldherrn-Tragödie am Akademietheater

Coriolan © Bild: Reinhard Maximilian Werner/Burgtheater

Carolin Pienkos inszenierte Shakespeares „Coriolan“ als gegenwärtiges, politisches Drama mit ihrem Ehemann Cornelius Obonya in der Titelrolle. Elisabeth Orth fasziniert als dessen Mutter – auf der Bühne und im Leben. Dass die drei Stunden währende Aufführung in einigen – sehr starken – Szenen überzeugt, aber nicht mehr, fasziniert, liegt an der fehlenden Strahlkraft des restlichen Ensembles.

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Klassiker wie William Shakespeares Drama vom römischen Feldherrn Coriolan in unsere Tage zu versetzen, ist in jeder Hinsicht berechtigt. Denn es geht um Macht, Populismus, Wahlen und die Kunst, einen Staat zu führen. Diese aber beherrscht Caius Martius Coriolanus nicht. Weder kann er das hungernde Volk zu beschwichtigen, noch die Gunst der Massen für sich zu gewinnen. Seine Wahl zum Konsul verliert Gaius Marcius, denn er ist im Herzen Soldat, ein echter Haudrauf, der nichts von populistischen Reden hält.

Carolin Pienkos zeigt auf Walter Vogelweiders düsterer Bühne das Szenario einer geknechteten, aufbegehrenden Volksmasse. Mit Gummiknüppeln wird auf ein Eisengitter eingedroschen. Menenius (Martin Reinke), ein Politiker im dunkelblauen Anzug, versucht die Massen zu beschwichtigen. Im schwarzen Mantel mit einem Abzeichen, das auf ein faschistisches Bündnis schließen lässt, tritt Gaius Marcius, der sich später Coriolan nennt, auf. Cornelius Obonya zeigt diese Figur als Kriegsveteran, der sich auf politischem Parkett nicht zu bewegen vermag. Die Volkstribunen bringen die Massen gegen ihn auf. Coriolan wird in die Verbannung geschickt. Von dort will er als Rächer zurückkehren.

Coriolan
© Reinhard Maximilian Werner/Burgtheater

Mit Anspielungen an aktuelle Ereignisse – wie Wahlzettel – erarbeitete Pienkos ein fein ziseliertes politisches Schauspiel in kurzen Szenen. Wie eine Pflichtübung mutet dagegen die Choreographie der Schlachtenszenen an. Bescheiden wird auch im Ensemble agiert: Anna Sophie Krenn muss sich als Coriolans Ehefrau Virgilia meist mit der Rolle der stillen Zuschauerin begnügen. Bernd Birkhahn als Konsul und Martin Reinke als Menenius füllen ihre Politikerrollen gut aus, ebenso Sylvie Rohrer und Hermann Scheidleder als Volkstribune. Für den sonst vorzüglichen Markus Meyer ist der Part des Feldherrn Aufidius keine Glanzrolle.

An Kraft gewinnt die Aufführung jedoch, wenn Elisabeth Orth und Cornelius Obonya spielen, was sie sind – nämlich Mutter und Sohn. Wenn Orth im schwarzen Anzug ihrem Sohn die Leviten liest und ihm sagt, was er zu tun hat, ist in wenigen Minuten die Essenz der Tragödie erklärt: ein Sohn, ein Kriegsveteran, ein Familienvater, hört nur auf seine starke Mutter und scheitert als Karrierist. Mit wenigen Gesten zeigen diese beiden Darsteller ein Kammerspiel, das für das Mittelmaß des Rests entschädigt.

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