Krisentreffen wegen steigender Ölpreise:
Ausweitung der Fördermengen angedacht

Jeddah: Konferenz mit Exporteuren und Importeuren Saudi-Arabien stellt Förderungssteigerung in Aussicht<br>OPEC-Präsident Chelil gegen Produktionserhöhung

Krisentreffen wegen steigender Ölpreise:
Ausweitung der Fördermengen angedacht © Bild: AP/Jamali

In Spaniens Großstädten bleiben die Supermarktregale gähnend leer. In weiten Teilen Großbritanniens bricht die Versorgung mit Benzin und Diesel zusammen. Verkehrsadern um London, Paris, Madrid, Barcelona, Bordeaux und Lissabon versinken im Stauchaos. Fischerflotten liegen in den Häfen. Seit über einer Woche eskalieren die ersten großen Protestwellen von Frächtern, Fischern, Gewerkschaftern und Bauern gegen die exorbitanten Spritpreise. Während der Ölpreis weitere Rekordhöhen erreicht, entfacht die Panikreaktion auf den neuen Ölschock ihre volle Wucht. Die Metropolen liegen lahm, dringend nötige Lieferungen für den täglichen Bedarf bleiben aus.

Angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Öl hat Saudi-Arabien eine Erhöhung seiner Ölproduktion in Aussicht gestellt. Unmittelbar vor einer groß angelegten Konferenz in Jeddah sagte der stellvertretende Ölminister Abdelaziz bin Salman in der saudi-arabischen Stadt: "Wir werden die Nachfrage befriedigen. Wenn die Nachfrage nach mehr Öl da ist, werden wir mehr verkaufen." In Jeddah beraten die größten Ölförderländer und die wichtigsten Erdölimporteure über Maßnahmen gegen den hohen Ölpreis.

OPEC-Präsident gegen Förderungssteigerung
Der Präsident der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC), Tschakib Chelil, hat eine Erhöhung der weltweiten Ölförderung abgelehnt. Die auf den Märkten gezahlten Preise hätten absolut nichts mit dem Angebot und der Nachfrage zu tun, sagte er vor dem Beginn der Ölpreiskonferenz im saudiarabischen Jeddah (Dschiddah).

"Wir glauben, dass der Markt im Gleichgewicht ist. Es ist kein Problem des Angebots" von Öl, hob er hervor. Ein Sondertreffen der OPEC-Staaten lehnte Chelil, der auch algerischer Ölminister ist, ab. Das nächste reguläre Treffen finde im September statt, dann solle erneut über die Fördermenge des Erdölkartells beraten werden.

Entgegengesetzte Signale kamen aus Kuwait: Die OPEC werde "nicht zögern", die Produktion zu erhöhen, falls die Märkte dies verlangten, sagte der kuwaitische Ölminister Mohammed el Olaim vor Journalisten. Auch Saudi-Arabien hatte im Vorfeld des Ölpreistreffens eine Erhöhung der Fördermengen in Aussicht gestellt.

Gästeliste
Eingeladen zu dem Treffen hat Saudi-Arabien die Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), große Förderländer außerhalb der OPEC, Importstaaten, Ölkonzerne und Vertreter großer Investmentbanken. Die Ölexporteure stehen unter dem Druck der Abnehmer, ihre Fördermenge zu erhöhen, um einen Rückgang des Ölpreises zu erreichen. Die OPEC macht hingegen Spekulanten für den Höhenflug des Ölpreises verantwortlich.

Österreichs Wirtschaftsminister Martin Bartenstein wird in Jeddah als einer der wenigen Vertreter der Nicht-G-8-Länder und Nicht-OPEC-Staaten zu Gast sein.

(apa/red)