Krisenherd Iran: Atomstreit & US-Angriffs-Pläne lassen Öl-Preis in die Höhe schnellen!

Sorge vor Lieferengpass: Öl erreicht 70-Dollar-Marke Experte: USA planen seit 2002 Iran-Militärschlag<br>PLUS: Alle Informationen zum anhaltenden Atomstreit

Die USA sollen sich bereits seit mehreren Jahren mit der Planung eines möglichen Militärschlags gegen den Iran befassen. Der Ex-Geheimdienstexperte des US-Militärs William Arkin berichtete in einem Gastbeitrag für die "Washington Post" kürzlich über verschiedene Angriffsszenarien. Der schwellende Atomstreit mit dem Iran belastet die Finanzmärkte und drückt den Öl-Preis aus Sorge vor Lieferengpässen nach oben. Am Montag erreichte der Preis für ein Barrel Rohöl erstmals seit Hurrikan Katrina die 70 Dollar-Marke.

Ex-Geheimdienstexperte Arkin schrieb in seinem brisanten Artikel, einer der Angriffs-Pläne gegen den Iran sei bereits 2002 - ein Jahr vor dem Irakkrieg - von US-General John Abizaid, der heute Chef des US- Zentralkommandos CENTCOM ist, in Auftrag gegeben worden. In den Planspielen würden sowohl der Einmarsch von Bodentruppen als auch Raketenangriffe konzipiert. Die Pläne für einen Irankrieg seien im Pentagon unter dem Namen TIRANNT bekannt, so Arkin. Es habe bereits eine gemeinsame Übung der Streitkräfte Großbritanniens und der USA im Kaspischen Meer gegeben. Auch die US-Marine habe Angriffspläne für einen imaginären Staat namens "Karona" vorbeitet, in dem radikale Religionsführer und Revolutionsgarden herrschten - laut Arkin sei damit zweifellos der Iran gemeint.

Der iranische Außenminister Manuchehr Mottaki und der einflussreiche iranische Ex-Präsident Akbar Hashemi Rafsanjani bezweifelten, dass die USA ihre Drohung wirklich in die Tat umsetzen könnten. Die USA seien wegen ihres problematischen Engagements in Afghanistan und dem Irak "nicht in der Lage eine weitere regionale Krise anzuzetteln", sagte Mottaki in Teheran. Der Iran setze in dem Konflikt um sein Atomprogramm weiter auf eine Verhandlungslösung, so der Minister laut der Nachrichtenagentur IRNA.

Teheran droht mit Selbstmordanschlägen
Für den Fall eines Angriffs auf iranische Atomanlagen droht Teheran mit dem Einsatz von 40.000 Selbstmordattentätern. Die Attentäter gehörten einer Sondereinheit der Revolutionären Garde an, die im März während einer Militärparade erstmals zu sehen gewesen sei, schrieb die Zeitung "The Sunday Times". Die Mitglieder der Einheit hätten Sprengstoff an ihren Uniformen getragen und Zünder in die Höhe gehalten.

Der Leiter des iranischen Zentrums für Doktrin-Strategische Studien der Revolutionären Garde sagte dem Blatt zufolge, 29 westliche Ziele seien ausgemacht worden. "Wir sind bereit, sensible Punkte der Amerikaner und Briten anzugreifen, wenn sie die Atomanlagen des Irans angreifen", zitierte die "Sunday Times" aus einer Rede von Hassan Abbassi, deren Tonbandaufzeichnung dem Blatt nach eigenen Angaben vorlag. 40.000 Selbstmordattentäter seien ausgebildet worden und stünden bereit.

Annan für diplomatische Lösung
UN-Generalsekretär Kofi Annan trat Spekulationen über einen Militärschlag gegen den Iran entgegen. "Eine Militäroperation würde keine Lösung bringen", sagte Annan in einem Interview mit der spanischen Zeitung "ABC" (Sonntag). "Ich glaube nach wie vor, dass eine Verhandlungslösung der beste Ausweg wäre." Er sei dagegen, in der ohnehin aufgeheizten Atmosphäre Aktionen zu ergreifen, die die Lage im Atomstreit noch verschlechtern würde.

Irans Präsident Mahmud Ahmadinejad rief die blockfreien Staaten auf, gemeinsam Front zu machen im Kampf gegen den "Weltimperialismus". Im Iran ist dieser Begriff vor allem auf die USA und Großbritannien gemünzt. "Die Zusammenarbeit unter den blockfreien Staaten und die Verbreitung des revolutionären Gedankens wird den Widerstand (...) gegen den Weltimperialismus stärken und ausweiten", sagte Ahmadinejad in Teheran nach einem Gespräch mit dem venezolanischen Parlamentspräsidenten Nicolás Maduro Moros.

Republikanischer Senator für direkte US-Verhandlungen
Der einflussreiche US-Senator Richard Lugar hat sich für direkte Verhandlungen der USA mit dem Iran ausgesprochen. Lugar, der wie Präsident George W. Bush der Republikanischen Partei angehört, warnte davor, allzu rasch Sanktionen gegen den Iran zu verhängen. "Wir müssen diplomatisch weiter vorankommen." Die US-Regierung nahm zu den Äußerungen Lugars zunächst nicht Stellung. Lugar ist Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Senat. Die Bush-Regierung lehnt direkte Gespräche mit dem Iran ab. Die Islamische Republik solle in multilateralen Verhandlungen über die Vereinten Nationen gezwungen werden, ihren Atomkurs zu ändern.

(apa/red)