Krise zwischen Moskau & Tiflis schwelt weiter: Gegenseitige Schuldzuweisungen

Russland wirft Georgien "politisches Komplott" vor Georgien fordert UN-Sicherheitsrat zu Beratungen auf

Krise zwischen Moskau & Tiflis schwelt weiter: Gegenseitige Schuldzuweisungen

Im Raketenstreit zwischen Georgien und Russland haben sich die Fronten weiter verhärtet. Moskau forderte Tiflis auf, sich statt auf "PR-Manöver" zum Einschlag einer Anti-Radar-Rakete unweit der Konfliktregion Südossetien auf Ermittlungen zum Vorfall zu konzentrieren. Russland reagierte damit nach Angaben der Agentur Interfax auf Georgiens Forderung nach einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats.

Das höchste UN-Gremium lehnte es ab, zum jetzigen Zeitpunkt eine solche Dringlichkeitssitzung einzuberufen. Der Sicherheitsrat habe "das Gefühl, dass es keine genaue, ausreichende Information gibt", sagte der amtierende Ratsvorsitzende Basile Ikouebe (Kongo) nach internen Beratungen in New York. Zunächst müsse die Untersuchung abgewartet werden. Georgien wollte, dass der Sicherheitsrat über die "Verletzung des Luftraums und die Bombardierung des Territoriums des Landes" berät.

Nach der Europäischen Union riefen auch die USA beide Länder zur Zurückhaltung auf. Politische Spannungen und Differenzen müssten auf diplomatischem Wege beigelegt werden, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums Sean McCormack in Washington. Die georgische Regierung habe entsprechende Versuche unternommen. Die US-Regierung untersucht nach den Worten von McCormack alle Umstände des Zwischenfalls.

Der Kommandant der russisch-geführten Friedenstruppen in Südossetien, Marat Kulachmetow, warf Georgien vor, den Sprengkopf der Rakete zerstört zu haben. Er verlangte eine offizielle Erklärung für die schnelle Vernichtung des Beweismittels. Kulachmetow kritisierte außerdem widersprüchliche Angaben der georgischen Ermittler zur Flugroute des Kampfflugzeuges. Nach neuen Darstellungen einer OSZE-Überwachungsmission in Tiflis sei die Maschine nicht von Norden - also aus Russland - gekommen, sagte Kulachmetow. Das Radar habe eine östliche und damit georgische Einflugschneise angezeigt.

Nach Darstellung des georgischen Außenministeriums war die Anti- Radar-Rakete AS-11 Kilter (NATO-Codierung), die keinen Schaden anrichtete, von einem russischen Jagdbomber Suchoi SU-24 auf georgisches Gebiet abgefeuert worden. Nach russischen Militärangaben sind in der georgischen Armee aus Sowjetzeiten noch Maschinen dieses Typs im Einsatz. Danach sei auch die Herkunft des Jagdbombers aus Tiflis denkbar. Georgien bestreitet den Besitz von SU-24-Flugzeugen.

(apa/red)