Kris Kristofferson von

Unplugged in Wien

Souverän & selbstironisch: Auftritt mit viel Reflexion und reduzierten Arrangements

Kris Kristofferson bei seinem Konzert in Wien © Bild: APA/H. Pfarrhofer

"Feeling Mortal" heißt die aktuelle Platte von Kris Kristofferson. Auch wenn er in manchen Texten - ganz dem Albumtitel entsprechend - über den Tod sinniert, so war das Konzert des 76-Jährigen am Samstag im Wiener Konzerthaus keine düstere Angelegenheit. Der Sänger und begnadete Songschreiber interpretierte neues Material und sein Lebenswerk mit viel Selbstironie und der Souveränität, die man von einer Institution wie Kristofferson erwartet.

"Jedes Album, das ich gemacht habe, war immer auch eine Reflexion dessen, was zu der Zeit um mich herum und mit mir passierte. Und das mache ich immer noch so", erzählte der Amerikaner, der seit Jahrzehnten auf Hawaii lebt, unlängst dem "Kölner Stadtanzeiger". Die Liebesgeschichten und von Suff- und Drogen-Exzessen inspirierten Themen sind Vergangenheit. Dass Kristofferson heute auf das Image des harten Cowboys verzichtet, spricht für ihn.

Akustische Versionen seiner Hits

Der Barde geht souverän mit seiner Vergangenheit um. Wenn er heute darüber singt, dass noch genügend Wein und Frauen auf ihn warten würden, fügt er mit einem Augenzwinkern hinzu: "Diesen Song habe ich vor langer Zeit geschrieben." Ebenso die Hits "Me And Bobby McGee", "Help Me Make It Through The Night", "Casey's Castle", "For The Good Times", "Sunday Mornin' Coming Down", alle auf dem superben Debüt "Kristofferson" (1970) zu finden und in Wien in gediegenen akustischen Versionen zu hören.

Reduzierte Arrangements

Der Mann mit der mittlerweile sehr brummeligen, aber erhabenen Stimme, der meist in einem Atemzug mit seinen Freunden Johnny Cash, Willie Nelson und Marlon Jennings genannt wird, stand nur mit Gitarre und Mundharmonika vor seinen begeisterten Fans. Die einfachen Arrangements für die Solo-Tournee reduzierten die Lieder auf das Wesentliche. Man durfte mitunter lachen, über verlorene Träume nachdenken ("Closer To The Bone", "This Old Road"), an einem ereignisreichen Leben teilhaben.

Geradliniger Typ

Kristofferson ist der schlaue Beobachter geblieben, der aus seiner politischen Einstellung kein Geheimnis macht. Am Ende des Liedes "Nobody Wins" sagte er: "Barack Obama hat gewonnen, die ganze Welt hat gewonnen." Das besagte Stück selbst ist eine ernüchternde Bilanz einer in die Brüche gegangenen Beziehung: "Wir machen immer wieder die gleichen Fehler. Es ist vorbei. Es gibt keine Sieger." Ein starke Leistung, dass solches Material in der Unplugged-Darbietung nicht zu Heulern verkam.

Tochter als Unterstützung dabei

Für vier Nummern holte Kristofferson seine Tochter Kelly auf die Bühne, die ihn mit Banjo und stolzer Country-Stimme unterstützte. Das hatte Charme. Während Weggefährten die Ausschweifungen früherer Zeiten nicht überlebt haben, kann Kristofferson mit seinem Nachwuchs über Drogentexte lachen. Nicht nur die Lieder, auch ihr Interpret sind in Würde gealtert.

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