Kriminelle oder alternative Energie

Markus R. Leeb über die Bankerin Sonja Kohn Kommentar: Was ist Ihre MEINUNG zu dem Thema?

Kriminelle oder alternative Energie © Bild: NEWS

Der Betrugsfall Madoff hat mit der Klage des Konkursverwalters Irving Picard Österreichs Finanzplatz zum aktuellen Zentrum des Krimis gemacht (Story im NEWS 50/10 ab Seite 66). Bemerkenswert finde ich, dass sich die 54 verklagten Personen bisher ausschließlich selbst als Madoff-Opfer sehen. Allen voran die Bankerin Sonja Kohn, gegen die seit 2009 ermittelt wird und für die die Unschuldsvermutung gilt.

Die gebürtige Wienerin, die jetzt in der Schweiz lebt, muss eine ausgesprochen charismatische Persönlichkeit sein. Nicht nur ihr Anwalt – der übrigens versichert, er könne Kohn ständig erreichen und wisse, wo sie derzeit auf Geschäftsreise sei – zeigt sich von ihr restlos überzeugt. Auch zwei ehemalige Minister, Ferdinand Lacina und Johann Farnleitner, sind Kohn trotz aller Vorwürfe treu geblieben und sitzen neben der Unternehmerin weiterhin im vierköpfigen Aufsichtsrat der „2020 Medici AG“, der Nachfolgegesellschaft der Bank Medici.

Die Frau, über die laut Picard-Klage 9,14 Milliarden Euro zu Madoff geflossen sein sollen, baut sich allen Vorwürfen zum Trotz eine neue Existenz auf. Sie ist im Mittelmeerraum von Italien bis Israel in Sachen erneuerbare Energiequellen unterwegs. Eines kann man von dieser Frau nicht sagen: Sie hätte keine Energie.