Kriminalstatistik von

So viele Anzeigen
gab es letztes Jahr

Erstmals seit 20 Jahren unter 500.000 Anzeigen

Im Jahr 2018 sind in Österreich insgesamt 472.981 Straftaten angezeigt worden. Im Vergleich zum Jahr 2017 bedeutet das ein Minus von 7,4 Prozent bzw. 17.290 weniger Anzeigen. Damit gab es erstmals seit 20 Jahren weniger als 500.000 Anzeigen. Gestiegen ist wiederum die Aufklärungsquote auf 52,5 Prozent. "Jede zweite Straftat wurde im Vorjahr geklärt", sagte Innenminister Herbert Kickl (FPÖ).

Im Schnitt wurden 2018 jeden Tag knapp 1.300 Straftaten angezeigt. Während Gewalt- und Eigentumsdelikte 2018 rückläufig waren, gab es - wie schon die Jahre zuvor - erneut einen großen Anstieg im Bereich Cybercrime. Die Schwerpunkte der Kriminalstatistik sind seit heuer Gewalt-, Eigentums- und Internetkriminalität, wobei bei den Gewaltdelikten zahlreiche neue Straftatbestände wie beispielsweise Raub, Erpressung, Freiheitsentziehung, Entführung oder auch gefährliche Drohung und beharrliche Verfolgung nunmehr hinzugerechnet werden.

© APA/Margret Schmitt

69.426 Gewaltdelikte wurden im Vorjahr in Österreich verübt, was einen Rückgang von mehr als vier Prozent gegenüber 72.577 Anzeigen im Jahr 2017 bedeutet. Aufgeklärt wurden 84,1 Prozent der Fälle. Einen Rückgang von zwölf Prozent gab es bei Eigentumskriminalität. Wurden 2017 noch mehr als 195.000 Einbrüche, Diebstähle etc. begangen, waren es im Vorjahr 171.718 Anzeigen. Somit wurden jeden Tag rund 470 Eigentumsdelikte verübt. Aufgeklärt wurde rund ein Viertel der Taten. "Diese Delikte haben einen großen Einfluss auf das subjektive Sicherheitsgefühl", sagte Kickl bei einer Pressekonferenz am Donnerstag im Wien.

Mehr Anzeigen wegen Internetkriminalität

Wie schon in den Jahren davor gab es auch 2018 eine große Steigerung bei der Internetkriminalität. Hier stieg die Zahl der Anzeigen um mehr als 2.800 auf insgesamt 19.627 im Vorjahr. Die Aufklärungsquote beträgt 37,4 Prozent. Zurückgegangen sind auch die angezeigten Suchtmitteldelikte. Insgesamt 41.044 Drogenvergehen wurden 2018 angezeigt, um 3,7 Prozent weniger als 2017. Die Aufklärungsquote bei Suchtgiftkriminalität ist mit 92,4 Prozent sehr hoch, wenn auch im Vergleich zu 2017 leicht rückläufig (minus 0,8 Prozent).

Die vergangenen Jahre gab es in Österreich immer deutlich über eine halbe Million angezeigte Straftaten. Zuletzt waren es im Jahr 1999 mit 493.246 weniger als 500.000.

Niedrigste Kriminalität seit 19 Jahren in Wien

Die Kriminalstatistik für Wien ist erfreulich: In der Bundeshauptstadt wurde 2018 die niedrigste Kriminalitätsbelastung seit 19 Jahren verzeichnet. Das Ergebnis ist "einem gesunden Mix" an Maßnahmen zu verdanken, sagte der Leiter des Landeskriminalamtes Wien, Josef Kerbl. Neben einer Intensivierung der Streifentätigkeit und Schwerpunktaktionen wurden auch Präventionsmaßnahmen verstärkt.

Die Zahl der angezeigten Fälle sank in Wien 2018 im Vergleich zum Vorjahr von 190.056 auf 169.190. Dies bedeutet einen Rückgang um elf Prozent. "Die Zahl 169.190 bedeutet aber auch, dass die Bundeshauptstadt Wien die geringste Kriminalitätsbelastung seit 19 Jahren aufweist", hieß es in einer Aussendung.

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Die Aufklärungsquote ist von Jänner bis Dezember 2018 gegenüber dem Vorjahr von 42,4 Prozent auf 43,6 Prozent gestiegen und ist der beste Wert seit dem Jahr 2000. Die Gesamtzahl der ermittelten Tatverdächtigen ist von 79.724 im Jahre 2017 auf 82.807 im Jahre 2018 gestiegen. Der Anteil der Fremden bei den Tatverdächtigen ist im Jahresvergleich von 51,7 Prozent auf 51 Prozent gesunken.

Rückgang bei Eigentumskriminalität

Besonders markant ist der Rückgang der angezeigten strafbaren Handlungen im Bereich der Eigentumskriminalität um insgesamt 15,2 Prozent. Gerade auf diesem traditionell sehr belasteten Sektor gibt es besonders günstige Entwicklungen: so sank etwa das Delikt "Diebstahl" von 52.452 auf 45.962 um 6.490 Fälle (minus 12,4 Prozent), "Einbruchsdiebstahl" sank ebenfalls deutlich gegenüber dem Vergleichszeitraum von 31.660 auf 25.229 um 6.431 Fälle (minus 20,3 Prozent). Mit ein Grund dafür war laut Kerbl, dass von der Bevölkerung hier inzwischen mehr Präventionsmaßnahmen gesetzt werden. Entscheidend sei aber auch die "akribische kriminalpolizeiliche Arbeit" gewesen, die zur Aufklärung vieler Seriendelikte - mit Festnahmen auch im Ausland - geführt hat. Dies sei auch ein "deutliches Abschreckungsmittel" gewesen.

Mehr Wirtschaftskriminalität

Bei der Wirtschaftskriminalität ist die Zahl der Anzeigen von 19.867 (2017) um 4,8 Prozent auf 20.828 gestiegen. Ein großer Teil davon betrifft Anzeigen wegen Betruges mit einer Zunahme von 8.710 (2017) auf 9.601 (2018), somit ein Plus von 10,2 Prozent. Einen großen Anteil davon nehmen Bestell-/Warenbetrügereien ein, bei denen die Zahl der Anzeigen von 5.746 (2017) auf 6.569 (2018) somit um 14,3 Prozent gestiegen ist. Im Bereich Internetbetrug ist die Zahl der Anzeigen auch weiterhin gestiegen, nämlich von 4.126 (2017) auf 4.792 (2018) und somit um 16,1 Prozent. Im Deliktsbereich Cybercrime im engeren Sinn ist ebenfalls ein Anstieg von 1.164 auf 1.251 Anzeigen zu verzeichnen.

Erfreulich ist der Rückgang bei der Gewaltkriminalität von 26.503 Anzeigen auf 24.131, was einen Rückgang um 8,9 Prozent entspricht. Die Raubdelikte sind insgesamt um 169 Anzeigen von 1.335 auf 1.166 gesunken. So ist etwa der Raub an öffentlichen Orten von 864 Delikten auf 782, somit um 9,5 Prozent gesunken.

Anzeigen wegen Vergewaltigung gestiegen

Die Körperverletzungen fielen insgesamt von 15.296 auf 13.923, somit um 1.373 Delikte (minus neun Prozent). Die Anzeigen wegen Vergewaltigung sind von 275 (2017) auf 305 gestiegen. Ein Anstieg ist bei Anzeigen wegen sexueller Belästigung und öffentlichen geschlechtlichen Handlungen von 538 im Jahr 2017 auf 625 zu verzeichnen.

Die vollendeten Tötungsdelikte sind von Jänner bis Dezember 2018 mit 23 Fällen gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017 um drei Fälle gestiegen; von diesen 23 Mordfällen des Jahres 2018 wurden (bisher) 22 Fälle geklärt. Ungeklärt ist weiterhin die Bluttat im Mafiamilieu im Dezember in der Wiener Innenstadt.

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