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Krim-Krise: Droht der Welt
ein neuer Kalter Krieg?

Russland-Experte Mangott warnt vor den schlechtesten Beziehungen seit 30 Jahren

Ein russischer Soldat auf der Krim. © Bild: REUTERS/Vasily Fedosenko

Seit dem militärischen Eingreifen Russlands auf der Krim tauchen immer öfter Erinnerungen an das dunkle Zeitalter des Kalten Kriegs auf. Ob die Folgen wirklich so schwerwiegend sein werden, kann noch nicht beurteilt werden. Doch die Intervention war in jedem Fall ein politischer Fehler Wladimir Putins, der seiner sonst rationalen Außenpolitik widerspricht. Diese Meinung vertritt Russland-Experte Gerhard Mangott von der Universität Innsbruck. Was Russlands Machthaber mit diesem radikalen Schritt bezweckt, ist für ihn jedoch klar: Putin versucht zu verhindern, dass die Ukraine endgültig in Richtung Westen abdriftet.

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Der Regierungswechsel in Kiew sorgte in Moskau für große Sorge, die Ukraine könnte in weiterer Folge den Status der Bündnisfreiheit aufgeben und sich an die EU und die NATO annähern, erklärt Mangott im NEWS.AT-Gespräch. Außerdem befürchtete man, die Ukraine könnte das Abkommen über den russischen Flottenstützpunkt in Sewastopol – für die russische Marine das Tor zum Mittelmeer – aufkündigen und das Assoziationsabkommen mit der EU abschließen, das den gewaltsamen Machtwechsel in Kiew überhaupt erst eingeleitet hat.

„Wirft uns 30 Jahre zurück“

Doch warum dann der Einsatz auf der Krim? „Über diese militärische Intervention versucht Moskau, sich politisch wieder ins Spiel zu bringen“, so Mangott. „Ich glaube jedoch, dass der Preis dafür sehr hoch ist.“ Derzeit würden zwischen Russland und der EU bzw. den USA „unterkühlte Beziehungen drohen, wie wir sie seit dem Kalten Krieg nicht mehr gehabt haben“, befürchtet der Politikwissenschaftler. „Das wirft uns sicher dreißig Jahre zurück.“

Berlin und Paris bremsen

Wobei Deutschland und Frankreich dafür sorgen würden, dass die EU - noch - zurückhaltender auftritt als es etwa die Vereinigten Staaten tun. In Berlin und Paris setzt man weiter auf einen Dialog mit Moskau und plädiert für den Einsatz einer Kontaktgruppe, um den Konflikt zu lösen. Andere EU-Länder wie Polen und die baltischen Staaten vertreten hingegen bereits einen deutlich härteren Kurs und treten für scharfe Sanktionen ein.

Sanktionen und Gegen-Sanktionen

Vonseiten der USA sei in weiterer Folge vom Verhängen handfester wirtschaftlicher Sanktionen gegen Russland auszugehen. Jedoch, so Mangott: „Je schärfer die Reaktionen und Sanktionen der USA ausfallen werden, desto mehr wird sich die russische Position verhärten.“ Sanktionen würden Putin seine Position nicht überdenken lassen, sondern vielmehr zur Folge haben, dass die Rückgewinnung der Krim für die Ukraine auf absehbare Zeit „schlicht unmöglich ist“. Denn ein militärisches Engagement auf der Schwarzmeer-Halbinsel schließen alle NATO-Staaten aus und alleine kann die ukrainische Armee gegen die russischen Streitkräfte keinesfalls bestehen.

Kein Krieg

Auch Mangott sieht derzeit keine Anzeichen für eine drohende kriegerische Auseinandersetzung. So sagte Putin erst am Dienstag, es gäbe keinen Grund, sich im Süden und Osten der Ukraine militärisch zu engagieren. Und er beendete auch die Groß-Übung wieder, die erst vor wenigen Tagen im Grenzgebiet zur Ukraine angeordnet worden war.

Rückzug wäre Gesichtsverlust

Die russischen Truppen von der Krim zurückzubeordern ist für Putin freilich nicht möglich, denn „damit würde er sich eine deutlich sichtbare Niederlage abholen.“ Der Rückzug würde dahingehend interpretiert werden, dass Putin sich westlichem Druck gebeugt hat - ein Gesichtsverlust, der für den Machthaber im Kreml nicht in Frage kommt.

Zukunft unklar

Doch was bedeutet das nun alles für die Zukunft der Krim? Am wahrscheinlichsten ist für Mangott, dass die Halbinsel künftig entweder mit deutlich erweiterten Autonomie-Rechten als Teil der Ukraine verbleibt oder aber – nach dem Vorbild Abchasiens - ein staatenähnliches Gebilde unter politischer, wirtschaftlicher und militärischer Patronanz Moskaus entsteht. Einen Anschluss der Krim an die Russische Föderation hat Putin jedenfalls am Dienstag ausgeschlossen.

Kein weiterer Konfliktherd

Auch einen weiteren Konfliktherd wie die Ukraine oder Georgien 2008 sieht Mangott in naher Zukunft nicht drohen, weil Russland an den Sanktionen und Gegenmaßnahmen des Westens „sehr zu nagen“ haben werde. Außerdem wäre Moldawien bzw. der von der moldawischen Regierung losgesagte, Russland-freundliche Teil Transnistrien die einzig verbliebene Region, in der eine solche Gefahr drohen würde. Dort gebe es aber ohnehin bereits eine eigene Regierung, folglich sei es unwahrscheinlich, „dass Russland hier eskalieren will.“

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Kommentare

Musste der Herr Russlandexperte lange nachdenken um zum Schluss zu kommen, dass Putin mit dem Einmarsch in die Ukraine "das endgültige Abdriften des Landes Richtung Westen zu verhindern"?
Und blöder geht's nimmer: Die NATO wird militärisch nicht eingreifen. Wie denn, bitte? Und die Ukraine ist zu schwach um gegen Russland zu bestehen. Na geh! Da wär ich nicht draufgekommen. Danke, News!

123harry

kalter krieg ist egal !!

123harry

worauf wird gewartet um zu helfen??

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Defacto sind Ukrainer i/d OstUkraine EUzukunftsbuerger.
Deshalb ist es fraglich weshalb EU nichts unternimmt um die Rechte dieser Zukunftsbuerger zuschuetzen statt sie Kievs Armee auszuliefern,Folge ueber 5.000 Tote,1 Million Fluechtlinge.Paradoxal muss Russland fuer die Rechte dieser EU-ZukunftsBuerger russischer Herkunft geradestehen+wird dafuer bestraft,weil EU die KievArmee bezahlt

11223344 melden

die ukraine ist ein staat der nur link zu der macht gekommen ist und diesen braúcht auch niemand. die eu ist sowieso wertlos und diese eu und der ami wollen ja den kalten krieg, sie fördern ja alles in dieser richtung. ein viva dem putin, der ist einer der wenigen der der merkel in den ar... tritt und das ist gut so ...........

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