Kriegsverbrecher verhaftet: Ex-Polizeichef Zupljanin wird vors Haager Tribunal gestellt

Bosnisch-serbischer Ex-Spitzenpolizist festgenommen Soll für Völkermord mitverantwortlich gewesen sein

Kriegsverbrecher verhaftet: Ex-Polizeichef Zupljanin wird vors Haager Tribunal gestellt © Bild: Reuters

Inmitten des Tauziehens um die künftige außenpolitische Ausrichtung des Landes hat die serbische Justiz einen der vier noch flüchtigen Angeklagten des Haager UNO-Kriegsverbrechertribunals festgenommen. Der frühere bosnisch-serbische Spitzenpolizist Stojan Zupljanin (56) wurde in der Nähe von Belgrad verhaftet, teilte die Belgrader Sonderstaatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen mit. Die Auslieferung der Haager Angeklagten gilt als Vorbedingung für die weitere EU-Annäherung des Landes.

Die Festnahme Zupljanins sei ein Beweis dafür, dass Serbien alles unternehme, um seinen Verpflichtungen gegenüber dem UNO-Tribunal nachzukommen, erklärte Rasim Ljajic, Leiter der Belgrader Behörde für die Zusammenarbeit mit dem Haager Gericht. Eine Sprecherin von Tribunals-Chefankläger Serge Brammertz begrüßte die Festnahme und stellte fest, dass damit noch drei Angeklagte - der bosnisch-serbische Ex-Präsident Radovan Karadzic, sein damaliger Militärchef Ratko Mladic und der kroatische Serbenführer Goran Hadzic - flüchtig seien. Das Tribunal vermutet alle drei in Serbien.

Heiße Spur seit April
"Stojan Zupljanin wurde nahe Belgrad festgenommen", sagte ein Sprecher des serbischen Sondertribunals für Kriegsverbrechen. Er soll innerhalb von 72 Stunden an das Tribunal in Den Haag überstellt werden. Zupljanin habe sich der Festnahme nicht widersetzt, erklärte der serbische Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic. "Alles ist in bester Ordnung verlaufen", sagte er. Wo genau die Festnahme stattfand, war unbekannt. Laut Vukcevic war die serbische Polizei Zupljanin seit April auf den Fersen. Damals entkam Zupljanin im südserbischen Nis nur knapp.

Ihm wird Völkermord vorgeworfen
Zupljanin soll als Chef der Sicherheitskräfte in Nordwestbosnien während des Bosnien-Kriegs (1992-95) für die Ermordung bosniakischer und kroatischer Zivilisten verantwortlich gewesen sein. Die Anklage gegen ihn wurde 1999 erhoben, aber erst im Juli 2001 veröffentlicht. Darin werden ihm Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit sowie Gesetze und Gebräuche des Krieges, Zerstörungen sowie schwere Verstoße gegen die Genfer Konventionen aus dem Jahr 1949 vorgeworfen.

Leiter eines "Krisenstabs"
Der frühere Spitzenpolizist war auch Leiter eines "Krisenstabs" der bosnisch-serbischen Sicherheitskräfte, der für ethnische Säuberungen in der Region verantwortlich war. Zupljanin unterstanden die berüchtigten Gefangenenlager für Bosniaken und Kroaten um Banja Luka. Während des Bosnien-Krieges war Zupljanin eine Zeitlang außerdem ein Berater des damaligen Präsidenten der Republika Srpska, Radovan Karadzic. Er und Mladic sind die beiden meistgesuchten Angeklagten des Haager Tribunals. Ihnen wird das Massaker an 8.000 Bosniaken in der ostbosnischen Stadt Srebrenica im Jahr 1995 zur Last gelegt.

Die unweit von Banja Luka lebende Familie von Zupljanin hatte erst kürzlich an ihn appelliert, sich zu stellen. Nach Angaben der bosnisch-serbischen Behörden soll sich er schon seit Ende 2006 in Serbien oder Russland versteckt haben. Im Mai enthob der internationale Bosnien-Beauftragte Miroslav Lajcak einen Angestellten des bosnischen Geheimdienstes, weil er mit Zupljanin in Kontakt gestanden sein soll.

Die Nachricht von der Festnahme Zupljanins wurde kurz nach dem Beginn der konstituierenden Sitzung des am 11. Mai gewählten serbischen Parlaments bekanntgegeben. Im Vorfeld der Sitzung konnten sich weder das pro-westliche noch das nationalistische Lager eine Mehrheit sichern, da sich die, das Zünglein an der Waage spielenden Sozialisten bisher noch auf keine Seite geschlagen haben. Das pro-westliche Bündnis um Staatspräsident Boris Tadic tritt für eine rasche EU-Annäherung des Landes ein, während für die Nationalisten um den bisherigen Premier Vojislav Kostunica und die Serbische Radikale Partei (SRS) die Verteidigung des serbischen Anspruchs auf den Kosovo wichtiger ist. Auch sollen sie es mit der Erfüllung der EU-Forderung nach einer vollen Kooperation mit dem Haager Tribunal nicht ganz so ernst nehmen wie Politiker der Demokratischen Partei (DS) von Tadic.

(apa/red)