Krems gibt Kremser-Schmidt-Bilder zurück: Zwei Gemälde sollen restituiert werden

Gemeinderat wird in Sitzung am 23. Mai entscheiden

Die Stadt Krems wird zwei Gemälde des Kremser Schmidt aus der Sammlung Richard Neumann restituieren und dabei der Empfehlung von Rudolf Holzbauer folgen.

"Ich werde den Gemeinderat in der Sitzung am 23. Mai ersuchen, die Rückgabe der Bilder aus dem Weinstadtmuseum an den rechtmäßigen Erben zu beschließen", sagte Bürgermeister Franz Hölzl bei einer Pressekonferenz in Krems.

Für den Erben Richard Neumanns, Thomas Selldorff, ist dieser dankenswerte Schritt der Stadt Krems ein "Zeugnis der Gerechtigkeit". Sein Großvater sei ein außergewöhnlicher Mensch gewesen. Rechtsanwalt Alfred Noll überbrachte diese Botschaft seines in den USA lebenden 79-Jährigen Mandanten. Der gebürtige Wiener würde sich freuen, die Bilder in Krems persönlich in Empfang zu nehmen.

Noll merkte aber gleichzeitig an, dass die Frage der Sammlung Neumann damit nicht erledigt sei. In Konsequenz der Entscheidung der Stadt Krems müsse Kulturministerin Claudia Schmied (S) nun neuerlich den Kunstrückgabebeirat mit der Causa befassen. Dessen Empfehlung aus 2005, eine Restitution abzulehnen, sei "inkonsistent".

Bürgermeister Franz Hölzl (V) betonte einmal mehr, es sei ihm viel daran gelegen gewesen, rechtmäßig zu handeln. Er wolle die Bilder dem rechtmäßigen Erben persönlich übergeben. Es sei immer klar gewesen, dass die Stadt diese Werke "nicht krampfhaft" behalten wolle. Deren Schätzwert sei, so Noll, obsolet, da die Ölgemälde nicht auf den Kunstmarkt kommen werden.

Im Jänner wurde Robert Holzbauer mit der Erstellung eines Gutachtens betraut. Der Leiter der Provenienzforschung und des Archivs der Leopold Museum Privatstiftung Wien dankte der Stadt für dieses Vertrauen. Der Historiker kam in seiner Expertise zu dem Schluss, die beiden Gemälde seien Richard Neumann entzogen worden, dessen Verzichtserklärung aus dem Jahr 1952 bedeute keine nachträgliche Sanktionierung. Ob die Familie die nach der Beschlagnahme notierte Summe von 2.000 Reichsmark für die Gemälde jemals erhalten habe, sei unbekannt. Holzbauer empfahl daher im Zuge einer fairen und gerechten Lösung die freiwillige Übereignung der Werke an den Erben. In seinem Statement verwies er darauf, dass Museen und Sammlungen im vergangenen Jahrzehnt bedenkliche Erwerbungen massiv einer moralischen Bewertung unterzogen haben.
(apa/red)