Kreml-Kritiker mit Quecksilber vergiftet?
Berliner Staatsanwalt startet Ermittlungen

Mutmaßlicher Anschlag auf Journalisten-Ehepaar Steckt der russische Geheimdienst hinter der Tat?

Kreml-Kritiker mit Quecksilber vergiftet?
Berliner Staatsanwalt startet Ermittlungen

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines möglichen Giftanschlags auf russische Kreml-Kritiker in Berlin. Es seien Ermittlungen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung durch Vergiftung eingeleitet worden, sagte der Sprecher der Behörde, Martin Steltner, dem Magazin "Focus". Die Ermittlungen werden demnach in einem Fachreferat für Straftaten mit politischem Hintergrund geführt.

Die Opfer des möglichen Giftanschlags sind die Journalisten Viktor und Marina Kalaschnikow. Bei diesen hatten Ärzte der Berliner Klinik Charite laut "Focus" Quecksilberwerte im Blut entdeckt, die den zulässigen Grenzwert um das 25-Fache übersteigen. Das Dissidentenpaar ist sich demnach sicher, dass hinter der mutmaßlichen Vergiftung Täter aus dem Umfeld russischer Geheimdienste stecken.

Viktor Kalaschnikow war dem Bericht zufolge vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion als Militärexperte und Oberst des Geheimdienstes KGB tätig. Später hätten er und seine Frau sich mit dem Kreml unter dem damaligen Staatschef und heutigen Ministerpräsidenten Wladimir Putin angelegt. Als freiberufliche Journalisten hätten sie insbesondere den russischen Feldzug in der Kaukasusrepublik Tschetschenien angeprangert.

Der Fall erinnert an den rätselhaften Tod des ehemaligen Geheimdienstoffiziers Alexander Litwinenko. Der Kreml-Kritiker war 2006 im Londoner Exil mit der stark radioaktiven Substanz Polonium vergiftet worden. Als Hauptverdächtiger gilt der Ex-KGB-Agent Andrej Lugowoi, Russland verweigert jedoch dessen Auslieferung an Großbritannien.

(apa/red)