Kreis der Hypo-Investoren weitet sich aus:
Auch Grasser laut FORMAT beim Deal dabei

Investment erfolgte über Treuhandfirma Ferint AG Abgewickelt wurde das Geschäft über die Meinl Bank

Kreis der Hypo-Investoren weitet sich aus:
Auch Grasser laut FORMAT beim Deal dabei © Bild: APA/Techt

Tilo Berlins Privatstiftung machte mit dem Hypo-Deal laut vertraulichen Investorenverträgen 20 Millionen Euro. Auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser soll dabei gewesen sein. Er soll 500.000 Euro investiert und 250.000 Euro verdient haben.

Langsam kommen sie in Fahrt. In der Münchner Linprunstraße 25 wühlen sich seit Monaten sieben Staatsanwälte durch riesige Aktenberge. Untersucht wird der Erwerb der Hypo Group Alpe Adria durch die Bayerische Landesbank (BayernLB) im Jahr 2007. Schon nach der ersten Razzia im Oktober 2009 stellte die Polizei brisante Unterlagen sicher, darunter Bewertungsgutachten und Investorenprospekte, die den Untreueverdacht der Anklagebehörde letztlich erhärtet haben. Seither ist viel passiert: Vor zwei Wochen musste der Hauptbeschuldigte und Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt vor der „Staatsanwaltschaft München I“ aussagen. Und vergangenen Dienstag war sein Amigo Tilo Berlin zu Gast. Jener Mann, der in einem spektakulären Coup vor über zwei Jahren einen Viertelanteil an der Hypo Group verkaufte – und vor allem sich selbst sowie seinen rund 50 privaten Kapitalgebern sagenhafte 150 Millionen Euro Gewinn bescherte. Die Investigationen an der Isar brachten zudem neue Treuhandverträge und Zeichnungsscheine ans Tageslicht, die den Kreis prominenter Hypo-Profiteure ausweiten.

Geheimverträge mit den Investoren
Die Spürnasen der bayerischen Staatsanwaltschaft arbeiten jedenfalls mit Hochdruck daran, die Spur des Geldes nicht aus den Augen zu verlieren. Immerhin steht auch der Verdacht illegaler Parteienfinanzierung in Kärnten im Raum. Bei ihren Untersuchungen stützen sich die Ermittler auf Geheimverträge, die Tilo Berlin im Winter 2006/2007 mit seinen Investoren abgeschlossen hat. Die Verteilung des Hypo-Millionengewinns geht aus den FORMAT vorliegenden Dokumenten ebenso hervor wie die Namen von privaten und institutionellen Hypo-Anlegern. Dabei interessieren sich die Behörden vor allem für jene Personen, die etwa über Private-Equity-Fonds oder Briefkastenfirmen eingestiegen sind und über eine deutsche oder österreichische Bankverbindung verfügen. Kontenöffnungen wären in diesem Fall am einfachsten zu bewerkstelligen.

„KHG“ investierte eine halbe Million
Im Wochenrhythmus tauchen neue Namen von Hypo-Investoren auf: Den Anfang machten Industriellenpräsident Veit Sorger und kika/Leiner-Seniorchef Herbert Koch vor Weihnachten, gefolgt von Ex-Mayr-Melnhof-Boss Michael Gröller und dem Spediteursehepaar Paul und Heidegunde Senger-Weiss. Auch Ex-Skistar Harti Weirather und der Unternehmer Hans Tilly haben ihr Engagement mittlerweile bestätigt. Allein Weirather war mit rund vier Millionen Euro dabei. Noch deutlich spektakulärer ist, was FORMAT jetzt aus Ermittlerkreisen erfuhr: Danach zählt auch Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser zu Berlins Glückskindern.
Konkret soll Grasser über die Schweizer Treuhandgesellschaft Ferint AG einen Hypo-Genussschein im Wert von 500.000 Euro gezeichnet haben. Abgewickelt wurde der Deal über die Meinl Bank. Nach Auflösung der für die Hypo-Übernahme gegründeten Berlin & Co Capital S.à.r.l. (Luxemburg) – sie hielt das 25,1-Prozent-Paket – und nach Ablauf der Spekulationsfrist wurde im August 2008 der Gewinn ausgezahlt. Rund 250.000 Euro Gewinn sollen damals auf dem Meinl-Konto gelandet sein. 50 Prozent Rendite in eineinhalb Jahren: Das ist nicht schlecht.

Ashwien Sankholkar

Wie Tilo Berlins Privatstiftung mit dem Hypo-Deal 20 Millionen Euro machte, lesen Sie in der aktuellen FORMAT-Ausgabe 02/10 sowie auf www.format.at .