Economy Class von

Kreativer Thronwechsel

Julia Schnizlein © Bild: Ian Ehm

Manche in der Branche behaupten, sie hätten es kommen sehen. Neider haben insgeheim seit Jahren auf diesen Moment gehofft. Am Donnerstagabend war es so weit: Die Branchenzeitung "Medianet" veröffentlichte die Rangliste der größten heimischen Werbeagenturen und erstmals seit 15 Jahren war Demner, Merlicek & Bergmann nicht mehr die Nummer eins. Abgelöst vom Vorjahreszweiten, der Agentur Wirz.

Auch wenn dieses Branchenranking aufgrund seiner Unschärfe mit Vorsicht zu genießen ist, ist es doch das valideste Messinstrument, das die Werbebranche zu bieten hat. Es basiert auf Daten von Focus Media Research und zeigt den Bruttowerbedruck einzelner Agenturen innerhalb eines Jahres. Rabatte und Sonderkonditionen werden dabei allerdings nicht berücksichtigt und auch das boomende Digitalsegment wird nur rudimentär erfasst.

Dass Mariusz Jan Demner, der mit seiner Agentur jahrelang an der Spitze des Größenrankings einzementiert war, nun erstmals den Platz räumen muss, hat sicher mehrere Gründe. DMB hat in den vergangenen Jahren einige seiner größeren Kunden verloren, wie die Volksbank, Bipa oder 2016 Wien Energie und die OMV. Zum anderen hat der Werbe-Doyen Demner in den letzten Jahren ein wenig von seinem Nimbus einbüßen müssen. Dazu beigetragen haben unter anderem die unrühmliche Trennung von seiner früheren Kreativdirektorin Rosa Haider-Merlicek und der darauf folgende Abgang von Agenturmitbegründer Franz Merlicek. Seit die beiden weg sind, heißt es, habe sich die Stimmung in der Agentur verschlechtert. Auch der Abschied der Kreativen Arno Reisenbüchler, Roman Steiner und Robert Dassel, die sich im Jänner selbstständig gemacht haben, dürfte für das Agenturklima nicht gerade förderlich gewesen sein.

Dazu kam das Zerwürfnis mit dem Creativ Club Austria, der einige der wichtigsten Kreativpreise vergibt. Dieser Streit ist zwar mittlerweile beigelegt, hat aber am Lack gekratzt, lästert die Branche. Aber auch wenn DMB laut Focus-Ranking nun nicht mehr die allergrößte Agentur ist, fällt sie sanft. Mit Platz zwei und großen, imageträchtigen Kunden wie Merkur, Lutz oder Vöslauer gehört sie nach wie vor zu den unangefochtenen Branchengrößen. Unter denen rangiert auch die ebenfalls inhabergeführte Agentur Wirz seit Jahren. Sie betreut Kunden wie Spar, Ikea oder seit Neuestem Lagerhaus.


Ein wirklicher Game-Changer ist das Ranking also nicht - aber es zeigt: Die Werbebranche, sie dreht sich doch! Wenn auch langsam.