Krawalle in Kenia bleiben blutig: Polizei und
Demonstranten liefern sich Straßenschlacht

Augenzeugen berichten von mindestens neun Toten Ausländer in Gefahr: Niederländer & Deutscher in Haft

Krawalle in Kenia bleiben blutig: Polizei und
Demonstranten liefern sich Straßenschlacht © Bild: Reuters/Okanga

Bei neuen schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Kenia sind am Freitag nach Augenzeugenberichten mindestens zwölf Menschen getötet worden. Unterdessen wurden zwei Deutsche und eine Niederländerin unter "Terrorverdacht" festgenommen.

In einem Slum der Hauptstadt Nairobi sahen Journalisten nach Kämpfen zwischen Demonstranten und Polizisten sieben Leichen. Auch in anderen Teilen des ostafrikanischen Landes gingen Sicherheitskräfte erneut mit Tränengas und scharfer Munition gegen Demonstranten vor, die gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mwai Kibaki im vergangenen Monat protestierten. Im Südwesten des Landes kamen bei Kämpfen rivalisierender Volksgruppen Behördenangaben zufolge vier Menschen zu Tode. Aus der Hafenstadt Mombasa meldeten die Gegner Kibakis den gewaltsamen Tod eines Mannes.

Deutsche und Niederländer festgenommen
Die Polizei nahm nach Angaben eines Sprechers zwei Deutsche und eine Niederländerin unter dem Verdacht "terroristischer Umtriebe" fest. Bei den drei Festgenommenen, die sich als Journalisten ausgegeben hätten, sei "verdächtiges" und "sicherheitsrelevantes" Material festgestellt worden, sagte Polizeisprecher Eric Kiraithe. Sie seien am Donnerstagabend am Flughafen von Nairobi in Gewahrsam genommen worden, als sie das Land verlassen wollten. Auf der kurzen Strecke zwischen der Innenstadt von Nairobi bis zum Flughafen hätten sie dreimal ihr Fahrzeug gewechselt. Bei dem Trio seien Fotos und Videoaufzeichnungen von "wichtigen Anlagen" gefunden worden.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte die Festnahmen. Bei dem einen Deutschen handle es sich um den Berliner Swing-Musiker Andrej Hermlin, Sohn des 1997 gestorbenen Lyrikers Stephan Hermlin. Bei den Anderen um den Fotografen Uwe Hauth sowie die Niederländerin Fleur Van Dissel. Nach Angaben der kenianischen Ehefrau Hermlins hatte der Musiker seine Schwiegermutter in Nairobi im Krankenhaus besucht. Ihr Mann sei mit Oppositionsführer Raila Odinga eng befreundet. Sie wisse aber nicht, ob dies mit der Festnahme in Zusammenhang stehe, sagte die Frau.

Nach Angaben von "Super Illu" war Hermlin im Auftrag der Zeitschrift auf einer Reportagereise über die aktuellen Zustände nach den Wahlen in dem afrikanischen Land unterwegs. "Wir sind sehr betroffen und hoffen, dass Hermlin so schnell wie möglich wieder aus der Haft entlassen wird", erklärte "Super Illu"-Chefredakteur Jochen Wolff. Hermlin hat demnach seinen Zweitwohnsitz in Kenia. In diplomatischen Kreisen hieß es, Hermlin und der Fotograf Hauth hätten eine journalistische Akkreditierung besessen. Ein Sprecher der kenianischen Oppositionsbewegung ODM sagte, die Niederländerin van Dissel habe an einer Dokumentation über Oppositionsführer Odinga gearbeitet.

Odinga spricht von Wahlbetrug
Odinga erkennt Kibakis Sieg bei den Präsidentenwahl vom 27. Dezember nicht an und spricht von Wahlbetrug. Die Anhänger der Opposition demonstrieren seit Mittwoch landesweit. Nun wollen sie ihre Proteststrategie ändern. Ein Sprecher der Partei Orange Democratic Movement (ODM) von Odinga kündigte am Freitag eine "neue Phase des Kampfes" an: Anstelle von Massendemonstrationen sei ein Boykott von Firmen geplant, die Kibakis Anhängern gehören.

Ein Bündnis von Bürgerrechtsgruppen forderte unterdessen eine Neuauszählung der Stimmen der Präsidentenwahl. Nach dem Wahlgang war es zu blutigen Unruhen mit mehreren hundert Toten und mindestens 250.000 Flüchtlingen gekommen. "Nur die Wahrheit kann die Krise lösen", sagte David Nidi. Eine Auswertung der Stimmen der gleichzeitig abgehaltenen Parlaments- und Präsidentenwahlen weise zahlreiche Widersprüchlichkeiten auf, sagte Nidi. Dies untermauere die Vermutung, dass Wahlberichte gefälscht worden seien.

"Es ist unmöglich zu sagen, wer die Wahl gewonnen hat", sagte der Vorsitzende der kenianischen Menschenrechtskommission, Maina Kiai. Die Wahl und ihr umstrittenes Ergebnis seien Ausdruck einer seit langem andauernden politischen Krise. "Es ist unabdingbar, dass Kibaki und Odinga zum Dialog finden", sagte Kiai. "Wir spielen mit dem Feuer", kritisierte er die Haltung von Regierung und Opposition, die seit den Wahlen keine direkten Gespräche geführt haben. Internationale Vermittlungsversuche blieben bisher erfolglos. (APA/red)