Krawalle bei Berlusconi-Wahlrede in Genua:
Verletzte bei Kämpfen Aktivisten - Polizei

Globalisierungsgegner und Linksradikale beteiligt Premier Berlusconi wettert in Rede gegen Homo-Ehe

Am Rande einer Wahlrede des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi in Genua ist es zu schweren Zusammenstößen zwischen Globalisierungsgegnern, die gegen den Regierungschef protestierten, und der Polizei gekommen. Während Berlusconi seine Wahlrede im Theater Carlo Felice hielt, versammelten sich vor dem Eingang Hunderte von Globalisierungsgegnern und Linksradikale, die Slogans gegen den Premierminister riefen. Als die Polizei versuchte, sie vom Eingang des Theaters fern zu halten, wurden Flaschen und Steinen geworfen. Die Polizei reagierte mit Knüppeln.

Bei den Tumulten wurden einige Jugendliche verletzt. Ein 17-jähriges Mädchen musste wegen Kopfverletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Der italienische Oppositionschef Romano Prodi kritisierte die Krawalle. "Ich verurteile jede Art von Gewalt. In dieser Wahlkampagne ist Ruhe notwendig", meinte Prodi.

In Genua war es bereits im Juli 2001 zu heftigen Krawallen am Rande des G8-Gipfels gekommen. Tausende von Globalisierungsgegner hielten die Sicherheitskräfte in Schach. Dabei wurde auch der 21-jähriger Globalisierungsgegner Carlo Giuliani erschossen.

Berlusconi gegen Homo-Ehen
Berlusconi hat sich gegen Homo-Ehen ausgesprochen. Sein Mitte-Rechts-Block bemühe sich seit jeher, die Familie zu verteidigen, die sich auf die Ehe stützt, sagte der italienische Regierungschef in einem TV-Interview. Seiner Ansicht nach genügen die geltenden Regeln, um unverheirateten Paaren rechtlichen Schutz zu sichern. "Man braucht kein weiteres Gesetz, das die Ehe schwächen könnte, man kann die so genannten wilden Paare dank einer Änderung des Bürgerlichen Gesetzbuches schützen", betonte Berlusconi.

"Auch das Zusammenleben gleichgeschlechtlicher Paare kann legalisiert werden, man darf aber nicht von Ehe sprechen, weil die natürliche Familie geschützt werden muss", erklärte der Ministerpräsident. Damit ging er zur Opposition um Romano Prodi auf Distanz, die einen "Zivilen Solidaritätspakt" zur Regelung des Zusammenlebens unverheirateter und gleichgeschlechtlicher Paare einführen will. Dagegen hatte sich am Montag der Präsident der Italienischen Bischofskonferenz (CEI), Kardinal Camillo Ruini, ausgesprochen.

Berlusconi gegen Minister
Berlusconi ging zum Minister für die Beziehungen zum Parlament, Carlo Giovanardi, auf Distanz, der am Wochenende die Niederlande wegen der Legalisierung der Sterbehilfe angegriffen hatte. Der christdemokratische Minister Giovanardi hatte in einer Radio-Talkshow gesagt, die "Gesetzgebung der Nazis und die Ideen Hitlers würden zurzeit in Europa neu entstehen". Und zwar geschehe dies in den Niederlanden "mit der Sterbehilfe und der Diskussion darüber, kranke Kinder zu töten", sagte der Spitzenpolitiker der Regierungspartei UDC. Seine Worte hatten in den Niederlanden entrüstete Reaktionen ausgelöst.

"Giovanardi hat seine persönliche Meinung geäußert. Ich persönlich bin katholisch. Der Mensch ist nicht Herr über Leben und Tod", meinte Berlusconi. "Als mein Vater leidend im Bett lag, habe ich selber öfters überlegt, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, seinem Leiden ein Ende zu setzen. Kurz daraufhin hat er sich wieder erholt", erklärte der Regierungschef.

Premier stolz auf Frauenquote in Kabinett
Der Regierungschef wies Vorwürfe zurück, dass die Regierungskoalition in ihren Wahllisten Frauen wenig Spielraum gelassen habe. "33 Prozent der Mitglieder meines neuen Kabinetts werden Frauen sein", meinte er. Berlusconi betonte, dass es nicht einfach sei, qualifizierte Frauen für den Einstieg in die Politik zu gewinnen.

"Die meisten Frauen wollen ihre Karriere und ihre Familie nicht aufgeben, um fünf Tage die Woche in Rom zu verbringen. Ich habe auch mit ihren Ehemännern geredet, viele wollen einfach nicht in die Politik", sagte der Cavaliere. Wegen der Behauptung, es sei nicht einfach, Kandidatinnen zu finden, weil viele von ihnen ihre Familie bevorzugten, hatte Berlusconi beim TV-Duell gegen seinen Herausforderer Romano Prodi vor einer Woche die italienischen Feministinnen verärgert.
(apa/red)