Kränkelnde Krankenkassen: Finanzielle Lage dramatischer als bisher dargestellt

Gebietskrankenkassen: Minus von 259 Mio. € für '06 Kritik an Rauch-Kallat: "Addiert Äpfel mit Birnen"

Die finanzielle Situation der Krankenkassen dürfte weniger rosig sein, als dies Gesundheitsministerin Rauch-Kallat dargestellt hat. Laut dem Hauptverband der Sozialversicherungsträger liegt das Gesamtergebnis des Vorjahres mit 20 Mio. Euro zwar leicht im Plus, die Gebietskrankenkassen zusammen steckten 2005 aber mit 125 Mio. Euro tief im Minus.

Der Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, Franz Bittner, sprach daher auch von einer "dramatischen Lage" der Gebietskrankenkassen. Der aktualisierte Voranschlag für 2006 sieht bei den neun Gebietskrankenkassen sogar ein Minus von 259 Mio. Euro vor, bei allen Krankenversicherungsträgern ein Minus von 157 Mio. Euro. "Heuer werden alle Gebietskrankenkassen tief in die roten Zahlen eintauchen", so Bittner. Seine Einschätzung: "Die Finanzierungsfrage der ASVG-Krankenversicherung ist nach wie vor völlig ungelöst."

Bittner verweist darauf, dass die Gebietskrankenkassen das achte Jahr in Folge einen negativen Finanzierungssaldo hinnehmen. Insgesamt mussten sie seit 1998 eine Unterdeckung des Aufwandes von insgesamt 1,7 Milliarden Euro verkraften. "Die Rücklagen der Gebietskrankenkassen sind mehr als aufgebraucht, die Finanzierung der gesetzlichen Leistungen ist nur mehr mit Fremdmitteln möglich", so Bittner

Der Gesundheitsministerin wirft Bittner vor, "Äpfel mit Birnen" zu addieren: "Durch das unzulässige Gegenrechnen der Ergebnisse der Sonderversicherungsträger mit jenen der Gebietskrankenkassen" habe sich Rauch-Kallat "zu der Aussage verstiegen, die Krankenversicherung sei finanziell saniert, weil sie im Jahr 2005 einen Überschuss von rund 20 Mio. Euro zu verzeichnen hätte."

(apa)