Kräftiger Dämpfer für deutsche Wirtschaft: Geschäftsklimaindex so schlecht wie 2006

Finanzmarktkrise und Rekordstände bei Ölpreis Deutscher Wirtschaftsminister trotzdem optimistisch

Kräftiger Dämpfer für deutsche Wirtschaft: Geschäftsklimaindex so schlecht wie 2006 © Bild: APA/DPA/Frank

Die Finanzmarktkrise und Rekordstände bei Euro und Ölpreis haben der Stimmung in der deutschen Wirtschaft einen überraschend kräftigen Dämpfer verpasst. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel im April auf 102,4 Punkte und damit auf den schlechtesten Wert seit mehr als zwei Jahren, wie das Münchner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung mitteilte. "Die bremsenden Einflüsse, die seit Mitte 2007 sichtbar waren, haben wieder die Oberhand gewonnen", erklärte ifo-Chef Hans-Werner Sinn.

Seit Jahresbeginn hatte das Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft den Hiobsbotschaften von den Finanzmärkten getrotzt und war sogar dreimal in Folge gestiegen. Im April aber bewerteten die 7.000 befragten Firmen sowohl ihre aktuelle Lage als auch die Entwicklung der kommenden sechs Monate deutlich schlechter als von Analysten erwartet. "Nach dem Zwischenhoch zu Jahresanfang 2008 sprechen die neuen Umfrageergebnisse für eine langsamere Gangart der Konjunktur", meinte Sinn.

Der Teilindex zur aktuellen Geschäftslage fiel um mehr als drei Punkte auf 108,4 Punkte. "Wir sind sehr stark in das Jahr gestartet und jetzt macht sich eben doch ein gewisser Bremseffekt bemerkbar", erklärte ifo-Experte Klaus Abberger.

Teilindex gefallen
Der Teilindex zu den Geschäftserwartungen fiel auf 96,8 Punkte und damit den schlechtesten Wert seit August 2005. Besonders im Groß-und Einzelhandel bewerteten die befragten Unternehmen ihre aktuelle Lage und ihre Aussichten deutlich pessimistischer. "Wir haben heftige Diskussionen über Preissteigerungen und da ist sowohl die Verunsicherung der Händler als auch der Verbraucher momentan besonders groß", erklärte Abberger.

"Für den Verbraucher ist sicher sehr wichtig, wie sich die Arbeitsmarktsituation weiter entwickelt und da sind wir eigentlich schon optimistisch", sagte der ifo-Experte. "Der Beschäftigungsaufbau wird sich zwar verlangsamen, wird aber weiter fortgesetzt. Für den Verbraucher sieht es im Moment immer noch ganz gut aus." Im weltweiten Vergleich stehe Deutschland gut da, weil aufstrebende Länder nach wie vor deutsche Industriegüter nachfragten.

Wirtschaftsminister optimistisch
Der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos gab sich dagegen optimistisch. Trotz Finanzkrise erwarte die deutsche Bundesregierung eine Fortsetzung des Aufschwungs, allerdings mit gebremstem Tempo, sagte Glos. Er geht in seiner am Donnerstag offiziell vorgestellten Frühjahrsprognose von 1,7 Prozent Wachstum in diesem und 1,2 Prozent Zuwachs im kommenden Jahr aus. "Es geht weiter aufwärts - trotz Gegenwind", erklärte der CSU-Politiker.

In der deutschen Wirtschaft herrsche Zuversicht, sagte der Minister. Sie lasse sich von den Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten nicht Bange machen. Allerdings müsse auch die Regierung ihre Hausaufgaben machen: "Wir müssen auf Reformkurs bleiben."

Neues Reformprogramm
Glos kündigte an, er werde den Vorschlag von Bundespräsident Horst Köhler für ein neues Reformprogramm aufgreifen. "Rechtzeitig vor der Wahl" werde er einen Vorschlag für die von Köhler angeregte Agenda 2020 vorlegen. Die CSU wolle vor allem die Bürger bei den Steuern entlasten.

Die Bundesregierung erwartet 2008 einen Rückgang der Arbeitslosenzahl um rund 500.000 und um weitere 40.000 im Jahr 2009 auf dann 3,2 Millionen. Die führenden Wirtschaftsinstitute waren in ihrer Prognose von weniger als drei Millionen ausgegangen. Glos sagte, er sei lieber "auf der vorsichtigen Seite". Auch bei den Wachstumsprognosen hatten die Wirtschaftsforscher mit 1,8 und 1,4 Prozent höher als die Bundesregierung gelegen.

(apa/red)