Kosovaren haben ein neues Parlament gewählt: Ex-Rebellenführer Thaci klar vorne

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Kosovaren haben ein neues Parlament gewählt: Ex-Rebellenführer Thaci klar vorne

Die Demokratische Partei (PDK) des ehemaligen Rebellenführers Hashim Thaci hat Hochrechnungen zufolge die Parlamentswahl im Kosovo klar gewonnen. Nach Auszählung der Stimmen aus 75 Prozent der Wahllokale lag die PDK nach Angaben des Bündnisses nichtstaatlicher Organisationen "Demokratie in Aktion" mit 34 Prozent vor der Demokratischen Liga (LDK) von Präsident Fatmir Sejdiu.

Thaci erklärte seine Demokratische Partei in der Nacht auf Sonntag zum Wahlsieger. Vor jubelnden Anhängern sprach der Oppositionschef von einem "historischen Tag" für die Provinz, die er als Chef einer Koalitionsregierung binnen Wochen in die Unabhängigkeit von Serbien führen wolle.

Den dritten Platz bei der Parlamentswahl sicherte sich laut den vorläufigen Ergebnissen die Allianz Neues Kosovo (AKR) des in der Schweiz ansässigen Geschäftsmannes Behget Pacolli mit zwölf Prozent der Stimmen, gefolgt von der Dardanischen Demokratischen Liga (LDD) mit zehn Prozent. Die bisher in einem Bündnis mit der LDK regierende Allianz für die Zukunft des Kosovo (AAK) des ehemaligen Befehlshabers der "Albanischen Befreiungsarmee" (UCK) im Westen des Kosovo, Ramush Haradinaj, erzielte neun Prozent. Die pro-westliche Ora des Zeitungsverlegers Veton Surroi kam demnach auf vier Prozent und dürfte somit den Einzug ins Parlament nicht geschafft haben.

In der Kosovo-Hauptstadt Pristina lag laut Ergebnissen aus 141 der 241 Wahllokale die LDK mit 25 Prozent der Stimmen knapp vor der Allianz Neues Kosovo (AKR) in Führung. Die Demokratische Partei fiel mit 23 Prozent der Stimmen auf den dritten Platz zurück. An vierter Stelle landete demnach die pro-westliche Partei Ora mit zehn Prozent.

Katastrophale Wahlbeteiligung
Die Wahlbeteiligung fiel mit 40 bis 45 Prozent unerwartet niedrig aus. Bei der Parlamentswahl vor drei Jahren war sie noch bei 51 Prozent gelegen. Beobachter in Pristina und Vertreter der Staatengemeinschaft führten die niedrige Wahlbeteiligung der albanischen Bevölkerungsmehrheit in ersten Reaktionen auf das schlechte Wetter zurück.

Die serbische Volksgruppe in der von der UNO verwalteten Provinz folgte einem Aufruf Belgrads und boykottierte den Urnengang weitgehend. In mehreren Gemeinden im Norden des Kosovo ließen sich die im Laufe des Tages erscheinenden Wähler an den Fingern einer Hand abzählen. Im Gebiet von Gracanica erreichte die Wahlbeteiligung bis zum Abend rund vier Prozent. (apa/red)