Korruptionsaffäre bei Siemens: Ex-Manager
in Untersuchungshaft - Verfahren in USA

"Focus": 43-Jähriger hielt sich in Argentinien auf Schmiergelder angeblich durch Österreich geflossen

In der Korruptionsaffäre bei Siemens sitzt ein weiterer ehemaliger Manager des Elektrokonzerns in Untersuchungshaft. Der Mann sei aus Argentinien angereist und habe sich gestellt, sagte seine Anwältin dem Nachrichtensender "B5 aktuell". Bei dem früheren Manager handle es sich um einen Argentinier. Zuletzt sei ihr Mandant als Finanzchef der Siemens-Landesgesellschaft in Russland tätig gewesen, im November aber von Siemens suspendiert worden, erklärte die Anwältin.

Angaben des Nachrichtenmagazins "Focus" über angebliche Verbindungen des Mannes zum früheren Siemens-Spitzenmanager in Griechenland wies die Anwältin zurück. Mit diesem habe ihr Mandant, der im Übrigen "seit Jahren" nicht in Griechenland gewesen sei, nichts zu tun gehabt. Weder die Staatsanwaltschaft München I noch ein Siemens-Sprecher wollten sich am Samstag zu den Berichten äußern.

Der ehemalige Siemens-Manager sei entgegen dem "Focus"-Bericht auch nicht mit internationalem Haftbefehl gesucht worden, sondern nur mit nationalem, sagte die Anwältin laut "B5 aktuell". Allerdings sei er bis September international zur Fahndung ausgeschrieben gewesen, was eine Festnahme, aber keine Verhaftung bedeutet hätte.

Siemens hatte zuvor in seinem Quartalsbericht bekannt gegeben, dass das US-Justizministerium im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen ein Verfahren wegen möglicher Verstöße gegen US-Vorschriften gegen den Elektrokonzern führt. Zudem gebe es informelle Untersuchungen der US-Wertpapieraufsicht SEC gegen Siemens, hieß es. Es könne derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass Siemens oder einzelne Mitarbeiter wegen Gesetzesverstößen straf- oder zivilrechtlich verfolgt werden, erklärte der Konzern. Daraus ergäben sich auch Risiken für das operative Geschäft, unter anderem aus möglichen Geldbußen, Schadenersatz oder Ausschlüssen bei der öffentlichen Auftragsvergabe. Eine finanzielle Vorsorge dafür sei bisher nicht getroffen worden.

Ein Siemens-Sprecher sagte, das Verfahren des US- Justizministeriums laufe bereits seit November, der Konzern sei davon aber erst in der vergangenen Woche in Kenntnis gesetzt worden. Die vom Prüfungsausschuss des Siemens-Aufsichtsrates beauftragte Anwaltskanzlei Debevoise & Plimpton LLP solle mit den Behörden in Deutschland und den USA kooperieren und für den erforderlichen Informationsaustausch sorgen, sagte der Sprecher. Zu Details des Verfahrens des US-Justizministeriums könne er keine weiteren Auskünfte geben.

In den USA droht dem Konzern nach Einschätzung von Experten in dem Korruptionsskandal die größte Gefahr. Die US-Behörden verfügten über weit reichende Kompetenzen und Sanktionsmöglichkeiten, hieß es auch in der "Süddeutschen Zeitung". Neben einem möglichen Ausschluss von öffentlichen Aufträgen gehöre zu diesen Sanktionsmöglichkeiten auch ein Entzug der Börsenzulassung. Die Papiere des deutschen Unternehmens sind seit Frühjahr 2001 an der New Yorker Börse notiert.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft München sind in die Korruptionsaffäre rund ein Dutzend ehemalige und noch aktive Mitarbeiter verwickelt. Sie sollen über Jahre hinweg mindestens 200 Millionen Euro veruntreut haben, Siemens selbst hatte sogar von dubiosen Zahlungen von rund 420 Millionen Euro gesprochen. Voraussichtlich in der kommenden Woche will die Behörde über den aktuellen Stand der Ermittlungen informieren.

(apa/red)