Korruption von

China und Russland ganz vorne

China und Russland führen die Liste an - die Schweizer sind kaum bestechlich.

Korruption - China und Russland ganz vorne © Bild: Corbis

Unternehmen aus Russland und China stehen nach einer Erhebung von Transparency International am stärksten unter Korruptionsverdacht. Bei Firmen aus den Niederlanden und der Schweiz wird am wenigsten erwartet, dass sie Schmiergelder zahlen. Österreich wurde dabei nicht untersucht.

Transparency International hat sich dem Kampf gegen die Korruption verschrieben. Die Organisation veröffentlichte am Mittwoch den neuen "Schmiergeldzahler-Index". Er beruht auf einer Befragung von 3.000 Managern in Industrie- und Entwicklungsländern.

Korruption ist "dringende Angelegenheit
Die Vorsitzende der Organisation, Huguette Labelle, rief die G-20-Länder auf, bei ihrem Gipfel diese Woche in Cannes Korruption als "eine dringende Angelegenheit" zu behandeln. Neue gesetzliche Regelungen in diesen Ländern könnten dazu beitragen, "für eine fairere und offenere Weltwirtschaft zu sorgen". Den G-20-Ländern liegt bei dem Spitzentreffen in Südfrankreich nach Angaben von Transparency ein Aktionsplan vor, den die Staats- und Regierungschefs beschließen sollen. Die darin genannten Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung sollten rasch umgesetzt werden.

Die erwarteten Verdächtigen
Unter den 28 erfassten Ländern wird auch bei Unternehmen aus Mexiko, Indonesien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Argentinien, Saudi-Arabien und der Türkei eher angenommen, dass sie sich durch Schmiergeld Vorteile verschaffen. Bei den Ländern, bei denen dies am wenigsten erwartet wird, stehen die Niederlande und die Schweiz auf Rang 1, Belgien folgt danach als drittes Land, dahinter rangieren im sogenannten "Schmiergeldzahler-Index" Deutschland und Japan. Australien und Kanada kommen jeweils auf Rang 6. Die USA finden sich auf Platz 10 vor Frankreich, Spanien, Südkorea und Brasilien.

Kein Land ist "völlig sauber
Transparency hob aber hervor, dass kein Land als "völlig sauber" gilt. Gegenüber dem vorangegangenen "Schmiergeldzahler-Index" aus dem Jahr 2008, der 22 Länder erfasst hatte, habe es keine wesentliche Verbesserung gegeben. Die Situation in Indien sei beispielsweise etwas besser geworden, das Land gehöre aber weiter zu denen, die unter besonderem Korruptionsverdacht stünden.

Nach der Erhebung von Transparency International wird Schmiergeld nicht nur gezahlt, um Staatsbedienstete etwa bei der Vergabe von Aufträgen, zur Beschleunigung von Entscheidungen oder zur Verhinderung von Auflagen zu beeinflussen. Korruption gebe es auch in den Geschäftsbeziehungen von Firmen untereinander. Labelle warnte, auch Unternehmen, die es versäumten, Bestechung in ihrer Zulieferkette vorzubeugen, riskierten es, für das Verhalten ihrer Angestellten und Geschäftspartner belangt zu werden.

Internationale Regelung gefragt
Transparency International forderte noch einmal eine Durchsetzung der nationalen wie internationalen Regelungen zur Bekämpfung von Korruption. Deutschland, Japan und Saudi-Arabien hätten beispielsweise die entsprechende UNO-Konvention zwar unterzeichnet, aber noch nicht ratifiziert. Auch eine Übereinkunft der OECD, des Zusammenschlusses der Industrieländer, sei noch nicht ausreichend umgesetzt.

Ein Vergleich von insgesamt 19 Wirtschaftsbereichen zeigt laut Transparency, dass vor allem dem Bauwesen - vor allem bei staatlichen Vorhaben - Bestechung nachgesagt wird. Das sei ein Bereich, in dem es geradezu "katastrophale Auswirkungen für die allgemeine Sicherheit" haben könne, wenn Regeln umgangen würden, warnte die Anti-Korruptions-Organisation. Dem gegenüber rechneten die Befragten am wenigsten in der Landwirtschaft und der Leichtindustrie mit Bestechungsversuchen.