Kopenhagen stimmt Obama optimistisch:
US-Präsident spricht gar vom "Durchbruch"

Klimakonferenz endete mit einem Minimal-Konsens Erderwärmung soll unter zwei Grad gehalten werden<br>Berlakovic übt harsche Kritik an dieser Einigung

Kopenhagen stimmt Obama optimistisch:
US-Präsident spricht gar vom "Durchbruch" © Bild: Reuters

Für US-Präsident Barack Obama ist die Kopenhagener Klimavereinbarung trotz fehlender verbindlicher Vorgaben zur Reduzierung von Treibhausgasen ein Durchbruch. "Dieser Durchbruch legt den Grundstein für das internationale Handeln in den kommenden Jahren", sagte Obama wenige Stunden nach seiner Rückkehr von den Klimaverhandlungen. Auf diesen Impuls müsse aufgebaut werden - als Ziel für den US-Kongress nannte er die Verabschiedung verbindlicher Einschnitte für den Ausstoß von Schadstoffen. Gegen die globale Erderwärmung müsse mehr getan werden, sagte er.

Die UNO-Konferenz von Kopenhagen endete nach einem dramatischen Finale mit einem Formelkompromiss. Am Ende der zweiwöchigen Konferenz mit bis zu 45.000 Teilnehmern stand eine politische Erklärung, die Obama mit etwa 25 weiteren Staats- und Regierungschefs ausgehandelt hatte. Der sogenannte Copenhagen Accord (Vereinbarung von Kopenhagen) enthält das wichtige Zwei-Grad-Ziel: Die globale Erwärmung soll unter dieser Marke gehalten werden. Außerdem versprechen die Industrie- den Entwicklungsländern Finanzhilfen für Klimaschutz von zunächst zehn, später 100 Milliarden Dollar (69,7 Mio. Euro) pro Jahr. Allerdings werden keine Ziele zur Senkung der gefährlichen Treibhausgase genannt.

Umweltminister Berlakovic übt harsche Kritik am Ausgang der Konferenz. Es sei "ein schwarzer Tag für den Klimaschutz", sagte er. "Was übrig bleibt, ist lediglich eine Aufforderung, weiter zu machen. Ein schwaches Resultat."

Bundeskanzler Faymann hat sich trotz der turbulenten Verhandlungen einigermaßen zufrieden gezeigt. "Es war auf jeden Fall ein wichtiger Schritt vorwärts, auch wenn möglicherweise einige Enttäuschungen übrig bleiben", sagte Faymann zur APA. Es habe sich ausgezahlt, dass die Regierungschefs angereist seien, und die Verhandlungen bis in die Nacht in Bewegung zu halten. "Die Umwelt wäre unbeeindruckt, wenn wir alle hier beleidigt abgereist wären."

Umweltschützer zeigten sich entsetzt: Tim Jones vom "World Development Movement" sprach von einem völligen Scheitern, das Millionen Menschen zu ungeahnten Leiden verdammen werde. Tim Sauven von Greenpeace sagte: "Kopenhagen ist heute Nacht der Schauplatz eines Verbrechens gewesen, wo die Täter nun zum Flugplatz flüchten." Auch der Sprecher der in der Gruppe G-77 zusammengeschlossenen Entwicklungs- und Schwellenländer kritisierte die Beschlüsse. Die Erklärung sei die "schlimmste Entwicklung in der Geschichte" der Klimaverhandlungen.

(apa/red)