Kontrapunkt von

Trump eint Europa

Kontrapunkt - Trump eint Europa © Bild: Reuters/Jonathan Ernst

Einen, wenigstens kurzfristigen, Effekt hat der schlecht begründete Ausstieg der USA aus dem Atomdeal mit dem Iran: Präsident Donald Trump eint die Europäer und bringt die EU wieder näher an Russland heran. Die Europäische Union zeigt auf einmal eine gemeinsame Außenpolitik wie es sie seit der Annexion der Krim durch Wladimir Putin nicht mehr gab.

Im Unterschied zum Ukraine-Konflikt spaltet der zerstörerische Schritt des US-Präsidenten aber das westliche Lager. Sogar Großbritannien, sonst immer auf amerikanischer Seite, beweist trotz der Brexit-Verhandlungen zunächst einmal Solidarität. Die gemeinsame Erklärung der Regierungschefs von Frankreich, Deutschland und dem Vereinigten Königreich sofort nach der Trump-Rede ist ein Zeichen, dass man sich nicht unterwirft.

Die Wirtschaft ist der Knackpunkt: Wird Trump ohne Wenn und Aber Strafzölle gegen Firmen verhängen, die trotz Ausstieg weiterhin an beide, USA und Iran, liefern wollen? Wenn die EU zu Ausgleichszahlungen bereit ist, wird es eng für Trump. Tut sie das nicht, würde es zu Alleingängen kommen, die für Trump ein Anlass zum Feiern wären.

Vorläufig hat er nur Israel und Saudi-Arabien auf seiner Seite. Vielleicht springen ihm noch Guatemala und eine Karibik-Insel bei. Vor allem muss er jene US-Konzerne für sich gewinnen, die bis jetzt vom Iran-Deal der Ära Obama-Kerry profitiert haben.

Gerfried Sperl
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